Ein Mädchen, welches seine Liebe zu verbergen sucht



Ein Mädchen, welches seine Liebe zu verbergen sucht


Inventar Nr.: GK 756 (1875/1101)
Bezeichnung: Ein Mädchen, welches seine Liebe zu verbergen sucht
Künstler: Wilhelm Böttner (1752 - 1805)
Datierung: 1788
Geogr. Bezug: Kassel
Material / Technik: Leinwand, doubliert
Maße: Umzug NG: 39,0 x 43,5 x 5,0 cm (Objektmaß)
28,7 x 33,8 cm (ovaler Spiegel) (Bildmaß)
Provenienz:

erworben 1890 von F. Klingelhöfer, Marburg

Beschriftungen: Signatur: bez. u.r. (auf dem Altar): W. Böttner p. 88


Katalogtext:
In einer Landschaft mit Felsgestein und Bäumen lehnt sich ein Mädchen in einem hellblauen Kleid an einen Rundaltar mit einem Brandopfer. In die Enden ihres weißen Obergewandes hat sie den Liebesgott Amor gehüllt, der mit erhobenen Händen in Richtung des Betrachters blickt und dessen linker Flügel unter dem transparenten, weiß getupften Stoff hervorschaut. Bogen und Köcher – die Attribute Amors – schmücken, eingefasst von einer Blumengirlande, das Steinrelief des Altars und zeichnen ihn als Altar der Liebe und Freundschaft aus, worauf auch die emporrankenden Rosen hinweisen. Das Kleid des Mädchens mit schwarzem Mieder und halblangen, rüschenbesetzten Ärmeln, die oberhalb der Ellenbogen mit rosafarbenen Schleifen verziert sind, entspricht ebenso wie die Frisur und der schwarze Hut mit der seitlich aufgeschlagenen Krempe, der rosafarbenen Schleife und den weißen Straußenfedern dem Modestil Ende der 1780er Jahre.
Böttner scheint das Sujet mehrmals und zu unterschiedlichen Zeiten behandelt zu haben. In der von ihm für Karl Wilhelm Justi zusammengestellten Liste seiner »vorzüglichsten Werke« findet sich unter Nr. 18: »Ein Mädchen, welches seine Liebe zu verbergen sucht«, der Hinweis: »in Paris gemahlt, befindet sich auch in Rußland«. Auch der Kasseler Hofbibliothekar Friedrich Wilhelm Strieder, der weitgehend Justi folgt, führt dieses Sujet in seiner »Grundlage zu einer hessischen Gelehrten- und Schriftsteller-Geschichte« aus dem Jahr 1818 unter Böttners Werken an. Als Aufbewahrungsort des Gemäldes gibt er das Kabinett des Grafen Scoberonsky in St. Petersburg an. Strieders recht ausführliche Beschreibung des Bildmotivs deutet darauf hin, dass die St. Petersburger Version, deren Verbleib nicht bekannt ist, mit der Kasseler weitgehend übereinstimmte: »Ein Mädchen, welches seine Liebe zu verbergen sucht. Es kniet an einem Altar, sieht sich schüchtern um, indem es den Amor in sein Gewand zu verhüllen und zu verstecken sucht.« Gegenstück der St. Petersburger Version war, Justi und Strieder zufolge, nicht wie in Kassel »Ein Mädchen, das mit Amor auf einem Rasenhügel sitzt« (1875/1102), sondern »Ein Satyr, welcher dem Amor die Waffen zu rauben trachtet«.


Literatur:
  • Justi, Karl Wilhelm: Wilhelm Böttner und Johann August Nahl. In: Meusel, Neue Miscellaneen (1796), S. 290-305, Kat.Nr. 18, S. 298.
  • Strieder, Friedrich Wilhelm: Grundlagen zu einer Hessischen Gelehrten und Schriftsteller Geschichte seit der Reformation bis auf gegenwärtige Zeit., Kat.Nr. 34, S. 58.
  • Eisenmann, Oscar: 5. Aufl. Kurzes Verzeichnis der Gemälde in der königlichen Galerie zu Cassel. 5. Aufl. Kassel 1894, Kat.Nr. 756.
  • Gronau, Georg: Katalog der Könglichen Gemäldegalerie zu Cassel. Berlin 1913, Kat.Nr. 756, S. 8.
  • Jahrhundertausstellung deutscher Kunst 1650-1800. Darmstadt 1914, Kat.Nr. 33, S. 50.
  • Biermann, Georg: Deutsches Barock und Rokoko. Leipzig 1914, S. 467.
  • Berrer, J. W.: Wilhelm Böttner. In: Monatshefte für die Kunstwissenschaft (1920), S. 154-165, S. 154.
  • Gronau, Georg; Luthmer, Kurt: Katalog der Staatlichen Gemäldegalerie zu Kassel. 2. Aufl. Berlin 1929, Kat.Nr. 756.
  • Pückler-Limpurg, Siegfired Graf: Der Klassizismus in der deutschen Kunst. München 1929, S. 204.
  • Vom Rokoko zur Romantik. Kassel 1946, Kat.Nr. 42.
  • Goethe-Erinnerungen aus Kurhessen. Kassel 1949, S. 22.
  • Vogel, Hans: Katalog der Staatlichen Gemäldegalerie zu Kassel. Kassel 1958, Kat.Nr. 755, S. 34.
  • Heraeus, Stefanie [Bearb.]; Eissenhauer, Michael [Hrsg.]: Spätbarock und Klassizismus. Bestandskatalog der Gemälde in den Staatlichen Museen Kassel. Kassel [u.a.] 2003, Kat.Nr. 5, S. 21-22.


Letzte Aktualisierung: 20.09.2017


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