Ludwig XVI. König von Frankreich



Ludwig XVI. König von Frankreich


Inventar Nr.: GK 896 (1875/1279)
Bezeichnung: Ludwig XVI. König von Frankreich
Künstler: Wilhelm Böttner (1752 - 1805)
Datierung: 1784
Geogr. Bezug: Paris
Material / Technik: Leinwand, doubliert
Maße: 86,3 x 70,2 cm (ovaler Spiegel) (Bildmaß)
Umzug NG: 107,0 x 90,7 x 6,5 cm (Objektmaß)
Provenienz:

1806 in Böttners Nachlass

1857 im Besitz des Malers Ludwig Emil Grimm, des Schwiegersohns von Böttner

erworben 1931 von dem Kunsthändler Julius Böhler, München


Katalogtext:
Im Oval, vor neutralem grünlichbraunem Grund, ist Ludwig XVI. (1754-1793) als Halbfigur im Dreiviertelprofil wiedergegeben. Kopf und Blick wendet er nach links aus dem Bild, die rechte Hand hat er unter den Rock geschoben. Wie in den meisten seiner Bildnisse trägt der König auch hier die traditionelle Hofkleidung, den »Habit habillé à la française«: einen Rock aus grünem Samt, der mit farbig gestickten Blumenmotiven aufwendig verziert ist. Über dem Rock liegt das blaue Schulterband, und auf der Brust ist der silberne Orden »du Saint Esprit« angebracht, davor an einem roten Band der Orden vom Goldenen Vlies.
Das Gemälde entstand im Jahr 1784 während Böttners zweitem Parisaufenthalt, als er auch das Pendantbild der Königin Marie-Antoinette (1875/1280), und mehrere Porträts französischer Adeliger malte. Böttners Schwiegersohn Ludwig Emil Grimm erklärte in einem Brief vom 16. November 1857 an den Kunsthändler Artaria – wohl eher aus verkaufsstrategischen Gesichtspunkten – das Porträt des Königs zum qualitätsvollsten Bildnis aus dieser Serie. In Grimms Brief ist die Rede von mehreren Repliken, die Böttner nach den Pendantbildnissen des französischen Königspaares angefertigt haben soll, die aber sonst nirgends erwähnt werden und sich auch nicht nachweisen lassen: »Ich habe drei lebensgroße Brustbildnisse, darstellend den König Ludwig der sechszehnte von Frankreich, 2. seine Gemahlin Marie Antoinette und 3. den Graf v. Provence, gemalt von meinem 1806 verstorbenen Schwiegervater Wilhelm Böttner [...]. Die Bilder sind meisterhaft gemalt. Doch halte ich das des Königs fürs beste. Der König ist in grün samten Rock mit weisser Seidenstickerei mit dem Heiligengeist Orden etc. [...] Im Jahr 1783 reiste er [Böttner] zum 2.mal nach Paris, hier genoß er viel Auszeichnung, er malte Ludwig 16. 3 mal, Marie Antoinette 4 mal. [...] Ich glaube nun, dass die besprochenen hiesigen drei Bildnisse die ersten Originale waren, wonach B. in Paris [...] die andern fertigte und deshalb noch grösseren Werth haben [...].« Bei den von Grimm angepriesenen Gemälden des Königspaares handelt es sich um die beiden Bildnisse, die in Böttners Nachlass von 1806 verzeichnet sind (Nr. 20, 21). Berrer zufolge lassen sie sich bis 1920 bei den Nachfahren der Familie Böttner/Grimm nachweisen.
Wie viele andere junge Kopisten, die in Versailles damit beschäftigt waren, die offiziellen Staatsporträts zu vervielfältigen, malte auch Böttner die Porträts des französischen Königspaares nach Gemäldevorlagen. Auch wenn Grimm in seinen Lebenserinnerungen »Naturskizzen zu Bildnissen Marie Antoinettens, Ludwigs XVI. und des Grafen von Artois« (Stoll 1913, S. 530) anführt, muss man davon ausgehen, dass es sich nicht um eigene Modellstudien Böttners, sondern um Skizzen nach Gemäldevorlagen handelt.
Böttner scheint mehrere Vorlagen miteinander kombiniert zu haben. Bildausschnitt und Pose stimmen mit dem bekannten Porträt Ludwigs XVI. von Joseph-Silfrède Duplessis (1725-1802) überein (Versailles, Museé National du Château de Versailles, Inv. Nr. MV 3966), das wahrscheinlich 1775 erstmals im Pariser Salon ausgestellt wurde und von dem etwa 50 Repliken und mehrere Nachstiche vorliegen. Bei den Gesichtszügen und dem Rock mit den Blumenornamenten und dem Orden könnte sich Böttner an dem Porträt Ludwigs XVI. von Antoine François Callet (1741-1823) orientiert haben, das den König ebenfalls vor neutralem dunklem Grund zeigt, aber in entgegengesetzte Richtung, nach rechts gewandt (ebd., Inv. Nr. 3114).

Böttner, Nachlassverzeichnis, S. 2, Nr. 20; Ludwig Emil Grimm, Brief vom 16.11.1857 (Landesbibliothek u. Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel, 4° Ms. Hass. 340); Stoll 1913, S. 530; Berrer 1920, S. 162; Kat. Kassel 1934 (?), Nr. 896; Kat. Kassel 1958, S. 33f., Nr. 896; Kat. Versailles 1995, Bd. 1, Nr. 754 u. 1592 (zu Callet u. Duplessis).



Letzte Aktualisierung: 10.06.2015


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