Ein singender Zecher



Ein singender Zecher


Inventar Nr.: 1875/792
Bezeichnung: Ein singender Zecher
Künstler: Johann Andreas Herrlein (1723 - 1796)
Datierung: um 1770
Geogr. Bezug:
Material / Technik: Leinwand, doubliert
Maße: Umzug NG: 70,3 x 57,4 x 4,5 cm (Objektmaß)
55 x 42 cm (Originalrand an allen Seiten umgeschlagen und beschnitten) (Bildmaß)
Provenienz:

erworben 1816 im Zuge der Eingliederung Fuldas in das Kurfürstentum Hessen

Beschriftungen: Beschriftung: u.l.: rote Nr.: 1872


Katalogtext:
Die als Pendantbildnisse angelegten Charakterköpfe eines singenden Zechers und eines Mannes mit Zupfgeige (1875/793) lehnen sich an die Gemälde von Adrian Brouwer (1605/06-1638) an, die in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts geschätzt wurden. In der Art von Brouwers »Bitterem Trank« als Versinnbildlichung des schlechten Geschmacks (Frankfurt/Main, Städelsches Kunstinstitut) ist im Brustbild ein dunkel gekleideter Mann mit weit aufgerissenem Mund und krampfhaft zusammengekniffenen Augen dargestellt. Der von Brouwer entlehnten drastischen Mienensprache eines Affektes gab Herrlein eine andere Bedeutung. In Verbindung mit dem Gegenstück »Mann mit Zupfgeige« umschreibt hier die Grimasse nicht den kurzen Moment einer menschlichen Empfindung nach der Einnahme einer übel schmeckenden Flüssigkeit, sondern das laute Grölen eines Zechers. Deshalb hält der Mann auch nicht Medizinflasche und Trinkschale, sondern Glas und Schnapsflasche in den Händen.
Herrlein dürfte als Vorlage eine Radierung nach Brouwer verwendet haben, möglicherweise die 1759 von Jan Lauwryn Krafft angefertigte. Die Gemäldefassung des »Bitteren Tranks« befand sich in holländischem Besitz, 1777 und 1779 lässt sie sich auf zwei Kunstauktionen in Gent nachweisen. Das künstlerische Interesse an Charakterköpfen und grimassierenden Gesichtern nach Vorlagen von Brouwer oder auch von Rembrandt hängt mit den in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts populär werdenden physiognomischen Lehren zusammen und deren Versuch, über die äußere Erscheinung auf den Charakter eines Menschen schließen zu können.

Kat. Kassel 1830, S. 181, Nr. 1141; Hollstein, Bd. 3, 1965, S. 247, Nr. 46 (Radierung nach Brouwer).



Siehe auch:


  1. 1875/793: Ein Mann mit Zupfgeige


Letzte Aktualisierung: 10.06.2015


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