Küche mit Köchin und Küchenjungen



Küche mit Köchin und Küchenjungen


Inventar Nr.: GK 643 (1875/659)
Bezeichnung: Küche mit Köchin und Küchenjungen
Künstler: Justus Juncker (1703 - 1767)
Datierung: 1750er Jahre
Geogr. Bezug: Frankfurt/Main
Material / Technik: Leinwand, doubliert
Maße: 46 x 60 cm (Bildmaß)
Umzug NG: 46,0 x 60,0 x 1,7 cm (Objektmaß)
Provenienz:

erworben 1818 »in des Rath Rüppels Auktion für je 10 Thaler« (Kat. Kassel 1888, S. 363)

1863 Schloss Bellevue

1888 Neue Gemäldegalerie

Beschriftungen: Beschriftung: u.l.: rote Nr.: 1408


Katalogtext:
In einer spärlich beleuchteten Küche sitzt in der Mitte des Raums an einem Holztisch eine Köchin in scharfem Profil nach rechts und schneidet Speck. Hervorgehoben wird sie durch das von links einfallende Tageslicht, das auf ihr Gesicht, auf das weiße Kopftuch und die helle Schürze fällt. Sie schaut zu einem Küchenjungen auf, der – dem Betrachter frontal gegenüber – hinter dem Tisch steht und die rechte Hand gestikulierend erhoben hat. In Anlehnung an niederländische Interieurbilder hat Juncker den Raum mit zahlreichem Beiwerk ausgestattet. Auf dem Tisch und der über Eck stehenden Küchenbank sind mehrere Teller, Töpfe, eine Kanne und ein Holzbottich, Blumenkohlköpfe und rohes Fleisch zu einem Stillleben ausgebreitet. An einem Holzpfeiler hängt ein toter Hase senkrecht an den Hinterläufen herab. Auf dem Steinfußboden liegen weitere Küchengerätschaften, Gefäße, Kohlblätter und Staudensellerie, deren unterschiedliche Oberflächen Juncker minutiös beschrieben hat. Innerhalb der vorherrschenden warmen Graubrauntöne bilden Fleisch und Gemüse sowie die helle Kleidung der Köchin einzelne Farbakzente.
Das Gemälde und sein Pendant »Küche mit zwei Mägden« (vgl. 1875/660) werden Juncker zugeschrieben, der viele kleinformatige Küchenstücke in dieser Art gemalt hat. Die Darstellung der Küchenmagd erinnert etwa an ein von ihm signiertes »Kücheninterieur« (Privatbesitz). Weitere, ähnlich gestaltete Küchenszenen von Juncker werden im Historischen Museum (Inv. Nr. B 61-1f.) und im Städelschen Kunstinstitut (Inv. Nr. 2006 u. SG 124) in Frankfurt am Main aufbewahrt.
Die Verknüpfung des Genrebildes mit stilllebenhaften Elementen, eine große Detailgenauigkeit und ein gedämpftes Kolorit sind typisch für Junckers Gemälde. Ähnlich wie in den Gelehrtenbildnissen und Blumenstillleben adaptierte er auch hier Motive, Bildaufbau und Lichtführung von den Niederländern, den Scheunen- und Kücheninterieurs von Herman Saftleven (1609-1685) und David Teniers d. J. (1610-1690), von Frans Ryckhals (1600-1647) und Isaack van Ostade (1621-1649). Möglicherweise kannte Juncker auch Küchenstücke des französischen Hollandisten Jean Siméon Chardin (1699-1779), wenngleich sich von ihm Mitte des 18. Jahrhunderts nur wenige Gemälde in Deutschland befanden und nur von dessen Genrebildern, nicht aber von dessen Stillleben Reproduktionsstiche vorlagen.


Literatur:
  • Robert, Ernst Friedrich Ferdinand: Versuch eines Verzeichnisses der Kurfürstlich Hessischen Gemählde-Sammlung. Cassel 1819, Kat.Nr. 702, S. 114.
  • Robert, Ernst Friedrich Ferdinand: Verzeichniß der Kurfürstlichen Gemählde-Sammlung. Cassel 1830, Kat.Nr. 822, S. 135.
  • Parthey, Gustav: Deutscher Bildersaal. Verzeichnis der in Deutschland vorhandenen Ölbilder verstorbener Maler aller Schulen. Berlin 1863/64, Kat.Nr. 20, S. 649 (Bd. 1).
  • Eisenmann, Oscar: Katalog der Königlichen Gemälde-Galerie zu Cassel. Nachtrag von C. A. von Drach. Kassel 1888, Kat.Nr. 608, S. 363.
  • Gronau, Georg: Katalog der Könglichen Gemäldegalerie zu Cassel. Berlin 1913, Kat.Nr. 643, S. 34.
  • Gronau, Georg; Luthmer, Kurt: Katalog der Staatlichen Gemäldegalerie zu Kassel. 2. Aufl. Berlin 1929, Kat.Nr. 643, S. 40.
  • Frankfurter Malerei der Goethezeit. Kronberg 1981, Kat.Nr. 5, S. 25.
  • Heraeus, Stefanie [Bearb.]; Eissenhauer, Michael [Hrsg.]: Spätbarock und Klassizismus. Bestandskatalog der Gemälde in den Staatlichen Museen Kassel. Kassel [u.a.] 2003, Kat.Nr. 75, S. 97-98.


Letzte Aktualisierung: 20.09.2017


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