Johann August Nahl d.Ä.



Johann August Nahl d.Ä.


Inventar Nr.: LM 1956/124
Bezeichnung: Johann August Nahl d.Ä.
Künstler: Johann Werner Kobold (1740 - 1803)
Datierung: um 1770
Geogr. Bezug: Kassel
Material / Technik: Leinwand, doubliert
Maße: 80,2 x 66,2 cm (Bildmaß)
Umzug NG: 94,2 x 80,0 x 4,5 cm (Objektmaß)
Provenienz:

erworben 1956 von Gertrud Nahl, Darmstadt


Katalogtext:
Das Bildnis des Kasseler Hofbildhauers Johann August Nahl d. Ä. (1710-1781), den auch Emanuel Handmann (1718-1781) porträtiert hat (1875/1157), wird Kobold zugeschrieben. In einem wenig beleuchteten Atelierraum, an dessen Rückwand verschiedene Gipsmodelle angebracht sind, wird der Bildhauer bei der Arbeit gezeigt. Mit dem graubraunen Rock und dem lässig geöffneten Hemd darunter und der Hauskappe mit dem weißen Pelzbesatz trägt er die für Künstler typische Arbeitskleidung. Den Kopf leicht zur Seite gedreht, schaut er von seiner Tätigkeit auf. Der rechte Arm liegt auf dem Bossierstuhl, auf dem die Modelliermasse, die Modellierstäbe und ein Tuch ausgebreitet sind. Während die rechte Hand den Modellierstab hält, umfasst die linke eine kleinformatige Kopie des Herkules Farnese. Die Rückenansicht dieses Bozzetto, dessen seitenverkehrte Wiedergabe und gelängte Proportionen deuten darauf hin, dass hier ein Stich als Vorlage diente, vermutlich aus dem weit verbreiteten Band »Signorum veterum icones« von Jan Bisschop mit Reproduktionen der berühmtesten antiken Skulpturen.
Bildhauern galt der Herkules Farnese als Vorbild einer gelungenen Skulptur, so dass er auch bei der künstlerischen Ausbildung eine wichtige Rolle spielte. Eine monumentale Nachbildung dieser Skulptur hatte Landgraf Karl 1717 weithin sichtbar über der Stadt Kassel errichten lassen. Die Figur des Herkules verweist in dem Porträt somit sowohl auf Kassel, als auch – ebenso wie die männliche Gipsbüste, der Torso und die abgeformte Hand an der Rückwand des Ateliers – auf Nahls Lehrtätigkeit an der Kunstakademie. Nahl selbst wird eine Terrakottakopie des Herkules Farnese zugeschrieben, die er vermutlich um 1770 nach einer kleinformatigen Bronzereplik aus der landgräflichen Sammlung anfertigte und die in Proportionen und Körperdurchbildung dem dargestellten Bozzetto bis auf die seitenverkehrte Wiedergabe recht ähnlich ist (MHK, Neue Galerie, Inv. Nr. P 1975/20).
Die Verwendung weniger gedämpfter Farbtöne passt zu Kobolds Porträtstil. Lediglich das Innenfutter des Rockes und die Umschläge an den Ärmeln setzen einzelne Farbakzente in hellem Grünblau und blassem Gelb. Zeitweilig wurde das Porträt Johann Ulrich Schnetzler (1704-1763) zugewiesen, der um 1747/50 in Bern tätig war, wo Nahl ab 1746 für neun Jahre lebte. Die Figur des Herkules aber und der Vergleich mit dem Porträt, das Johann Heinrich Tischbein d. Ä. etwa auch um 1770 von Nahl gemalt hat (Bern, Historisches Museum), legen nahe, dass das Bildnis während Nahls Tätigkeit am Kasseler Hof entstanden ist.


Literatur:
  • Both, Wolf von; Vogel, Hans: Landgraf Friedrich II. von Hessen-Kassel. Ein Fürst der Zopfzeit. o.O. 1973, S. 195.
  • Sabine Fett, Michael Kalusok [Bearb.] und Ulrich Schmidt [Hrsg.]: Die Künstlerfamilie Nahl, Rokoko und Klassizismus in Kassel. Kassel 1995, Kat.Nr. 8, S. 44 (1994).
  • Heraeus, Stefanie; Tipton, Susanne: Künstlerbildnisse. Porträts von Tischbein bis Beuys. Malerei, Graphik und Skulptur aus eigenen Beständen. Kassel 1996, Kat.Nr. 8, S. 33.
  • Herkules. Tugendheld und Herrscherideal. Das Herkules-Monument in Kassel-Wilhelmshöhe. Kassel, Eurasburg 1997, Kat.Nr. 34, S. 59, 151.
  • Heraeus, Stefanie [Bearb.]; Eissenhauer, Michael [Hrsg.]: Spätbarock und Klassizismus. Bestandskatalog der Gemälde in den Staatlichen Museen Kassel. Kassel [u.a.] 2003, Kat.Nr. 85, S. 106-107.
  • Dreiheller, Fritz: Von den Bildnissen der Nahls. Darmstadt o. J. [nach 1971], S. 3.


Letzte Aktualisierung: 20.09.2017


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