Alexander und Roxane, Studie



Alexander und Roxane, Studie


Inventar Nr.: 1875/1320
Bezeichnung: Alexander und Roxane, Studie
Künstler: Johann August d. J. Nahl (1752 - 1825)
Datierung: um 1777
Geogr. Bezug: Rom
Material / Technik: Leinwand
Maße: Umzug NG: 45,5 x 55,3 x 3,3 cm (Objektmaß)
37,4 x 47,9 cm (Bildmaß)
Provenienz:

erworben 1935 von Curt Bünger, Berlin

bis 1880 Wilhelm Nahl, Kassel

Beschriftungen: Beschriftung: verso auf dem Keilrahmen Klebezettel: 198


Katalogtext:
Wilhelm Nahl, Sohn des Malers Johann August d. J., notierte in seinem Tagebuch am 5. Juni 1846, dass er dem Kunsthändler Minnig aus Köln »die Hochzeit des Alexanders mit der Roxane nach Raphael vom seligen Vater in Rom kopiert« verkauft habe. Das Gemälde sei in »bösem Zustand« gewesen, doubliert und von ihm »durch gänzliche Übermalung in die Harmonie« gebracht worden. Die vorliegende Ölstudie, die im Nachlass Wilhelm Nahls fälschlicherweise unter dessen Namen verzeichnet ist,
dürfte sein Vater Johann August d. J. im Umfeld dieses Gemäldes während seines Aufenthalts in Rom um 1777 ausgeführt haben.
Im Zentrum der Komposition ist Alexander der Große (356-323 v. Chr.) dargestellt, in einer Tunika mit rotem Feldherrnmantel und Kommandostab in der Rechten. In der ausgestreckten linken Hand hält er die goldene Krone, die er seiner Braut, der persischen Fürstentochter Roxane, darreicht. Roxane sitzt zu seiner Linken auf einem Lager unter einem roten Baldachin, hat das Haupt gesenkt und die rechte Hand demütig zum Herzen geführt. Zwei Putti sind damit beschäftigt, sie zu schmücken. Der eine drapiert ein Tuch auf ihrem Haupt, der andere schnürt ihre rechte Sandale.
Der Bildausschnitt, die Haltung der Roxane sowie die Anordnung der Putti zeigen, dass sich Nahl bei der Konzeption des Gemäldes nicht allein auf das Fresko »Die Hochzeit von Alexander und Roxane« aus dem Schlafgemach der Villa Farnesina in Rom stützte, das Sodoma um 1512 ausgeführt hatte und zu dem nur noch zwei Entwurfszeichnungen von Raffael erhalten sind. Nahl kannte wahrscheinlich auch einen Stich, der nach einer Kopie von Raffaels Entwurf angefertigt worden ist. Dieser zeigt die Figuren etwa so bekleidet wie in der Federzeichnung der Raffael-Schule, die in der Sammlung in Schloss Windsor aufbewahrt wird (Inv. Nr. 12756). Darauf deutet nicht nur die seitenverkehrte Anlage der Personen hin, sondern auch die Anordnung der Figuren, die bis auf einige Details mit der gestochenen Vorlage übereinstimmt.
Anders als in dem Stich nach Raffaels Entwurf und im Fresko Sodomas fehlt Hephaistos in Nahls Studie. Nahl beschränkte sich bei den Beifiguren allein auf den Genius Hymenaios, der in der griechischen Mythologie der Gott der Hochzeit und der Ehe ist. Jugendlich schön steht er zwischen dem Brautpaar: In der erhobenen linken Hand hält er eine brennende Fackel, während er mit der rechten auf Roxane weist.
Die Figuren sind in Nahls Entwurf insgesamt dichter zusammengerückt. So ist Alexander von zahlreichen Putti umringt, die mit seinem Helm und Schwert spielen. Im Unterschied zu den Hauptfiguren sind sie nicht bildparallel angeordnet, sondern leiten zum Hintergrund über. Durch die diagonal verlaufenden dorischen Säulen, die eine Halle andeuten, erhält der Hintergrund räumliche Tiefe. Die Ölskizze ist auf warme Braunockertöne beschränkt, von denen sich lediglich der rote Mantel Alexanders und der rote Baldachin absetzen. Einen Komplementärkontrast zu diesen Rottönen bilden die grün gehaltenen Zwischenräume der Säulenreihe.
Von Nahl sind im Zusammenhang mit dieser Studie keine Entwurfszeichnungen auf Papier bekannt. Die dünn aufgetragene Farbe lässt aber deutlich erkennen, dass er zunächst auf der Grundierung eine Vorzeichnung anlegte.

Nahl, Tagebuch (1825-1841); Verzeichnis Raphael 1848, Bd. 3, Tf. 306 (Nachstich nach Raffael); Nahl, Tagebuch (1825-1841); Nahl, Nachlassverzeichnis, Nr. 198 (unter »Wilhelm Nahl«); Förster 1894, S. 182-191 (zu Raffaels Entwürfen u. Nachstichen); Kat. Windsor Castle 1949, Nr. 809 (zur Kopie nach Raffaels Entwurf); Knab/Mitsch/Oberhuber 1983, S. 610, Nr. 539f.; AK Kassel 1994b, S. 24 u. 66, Nr. 69.



Letzte Aktualisierung: 03.04.2017


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