Merkur und Diana, Würfel spielend



Merkur und Diana, Würfel spielend


Inventar Nr.: GK 758 (1875/1054)
Bezeichnung: Merkur und Diana, Würfel spielend
Künstler: Johann August d. J. Nahl (1752 - 1825)
Datierung: um 1788/1790
Geogr. Bezug: Rom
Material / Technik: Leinwand, doubliert
Maße: 92,7 x 70,6 cm (Bildmaß)
Umzug NG: 105,5 x 83,5 x 5,5 cm (Objektmaß)
Provenienz:

bis 1880 Wilhelm Nahl, Kassel

erworben 1881 auf der Nachlassauktion von Wilhelm Nahl

Beschriftungen: Beschriftung: verso auf dem Keilrahmen Klebezettel: 85


Katalogtext:
Umrahmt von mächtigen, dunklen Baumstämmen sitzen Merkur und Diana in einem Hain auf einer grasbewachsenen Erderhöhung und spielen Würfel. Der Götterbote Merkur hat soeben gewürfelt und richtet seinen Blick abwartend auf die Jagdgöttin Diana. Er ist gekennzeichnet durch Flügelhut und Flügelschuhe, durch den schlangenumwundenen Heroldsstab – den so genannten Caduceus – in seiner linken Hand und durch einen Geldbeutel. Diana hat den Kopf auf die rechte Hand gestützt und schaut nachdenklich auf die gefallenen Würfel. Zu ihren Füßen liegen zwei Jagdhunde und der Köcher, in der Linken hält sie einen großen Bogen. Durch die Mondsichel im Haar erhält Diana auch die Bedeutung der Mondgöttin Luna.
Die literarische Quelle für Nahls Bildidee ist eine Fabel aus den »Moralischen Abhandlungen« (III, Kap. 9) des griechischen Dichters Plutarch, die »die Ägypter von ihren Göttern erzählen« und die Wilhelm Nahl im handschriftlichen Manuskript zum Leben und Werk seines Vaters zu diesem Gemälde zitiert: »Rhea hatte sich von Saturn heimlich schwängern lassen. Als der Sonnengott davon erfuhr, fluchte er ihr, daß sie weder in einem Monat, noch in einem Jahr gebären sollte. Merkur aber, der diese Göttin liebte, beschlief sie ebenfalls, spielte dann mit dem Monde im Brette und gewann ihm von jedem Lichte den 77. Teil ab. Daraus setzte er fünf Tage zusammen und fügte sie zu den 360 Tagen (– aus welchen das Jahr zuvor bestanden hatte –) zusammen. Diese nennen die Ägypter noch jetzt eingeschaltete und feiern sie als die Geburtstage ihrer Götter.«
Räumliche Tiefe erhält die Komposition durch den Baum im Vordergrund, der vom linken Bildrand überschnitten wird, und durch den Weg zur Rechten der Figuren. Der diagonal verlaufende Stamm des Baumes wird in der Körperhaltung Merkurs und im Bogen Dianas wieder aufgegriffen. Ebenso wie im Pendantgemälde »Pyramus und Thisbe« (1875/1053) dominieren die warmen Grünbrauntöne des Waldes, die am rechten Bildrand in kühlere Blaugrüntöne übergehen, wo zwischen den Baumstämmen ein Stück Himmel sichtbar wird. Merkur und Diana setzen sich durch das von links oben einfallende Seitenlicht deutlich von ihrer Umgebung ab, wenngleich ihre orangebraunen Gewänder die Farben der Landschaft aufgreifen. Die Farbgebung der Gewänder und der Natur ist ähnlich angelegt wie in Nahls Gemälde »Daphne und Damon« (M 1992/8). Merkur, dessen unbekleideter Körper weich modelliert ist, sitzt auf einem roten Mantel, und Diana trägt ein weißes Gewand mit einem ockerfarbenen Tuch über der rechten Schulter. Die weiche Modellierung von Merkurs Inkarnat und die körperbetonte Drapierung von Dianas Gewand sind charakteristisch für Nahls Malstil, ebenso die großen mandelförmigen Augen seiner Figuren, die an Gestalten Lesueurs erinnern.
Zur Figur des Merkur sind zwei Zeichnungen erhalten. Auf dem einen Blatt ist der Götterbote ohne Mantel in ähnlicher Körperhaltung wie auf dem Gemälde zu sehen, auf dem anderen ist nur sein rechter Arm mit dem Heroldsstab grob skizziert (MHK, Graphische Sammlung, Inv. Nr. GS 7546, GS 7545). Als mögliche Anregung für die Figur der Diana ist auf die Trauernde in Jacques-Louis Davids »Schwur der Horatier« verwiesen worden, den David 1789 in Rom gemalt hatte, als sich auch Nahl dort aufhielt (Becker 1971, S. 46).
In Bildaufbau und Lichtführung lassen sich Parallelen zu Hetschs Gemälde »Mars und Venus« erkennen, dessen Zuschreibung und Datierung umstritten sind und das zuletzt in die Zeit um 1791 bzw. um 1800 datiert wurde (Schweinfurt, Sammlung Schäfer, Inv. Nr. 4988). Nahl hatte den aus Stuttgart stammenden Friedrich Philipp Hetsch (1758-1838) während seines ersten Romaufenthaltes kennen gelernt und stand mit ihm auch noch in späteren Jahren in Kontakt.

Nahl d. J. nach 1815, S. 14; Nahl 1849, S. 3, Nr. 4; Nahl, Nachlassverzeichnis, Nr. 85; Auktionskat. Lepke des Nachlasses W. Nahl, Kassel 1881, Nr. 139; Eisenmann 1881, Sp. XC; Kat. Kassel 1888, Nr. 716; Voll 1904, Abb. 98 (als »Pyramus und Thisbe«); Kat. Kassel 1913, S. 43, Nr. 758; Kat. Kassel 1929, S. 51, Nr. 758; Pückler-Limpurg 1929, S. 204; Thieme/Becker, Bd. 25, 1931, S. 333; Eberhard Preime, Joh. August Nahl d. J., in: Kasseler Post, Nr. 120, 3.5.1939; Boetticher 1941, Bd. 2/1, S. 123, Nr. 5; Herzog 1967b, o. S., Abb. 1; Herzog 1969, Nr. 21; Becker 1971, S. 46; Kaiser 1976, S. 7, Abb. 19; AK Stuttgart 1993, Bd. 2, S. 296, Nr. 179 (zu Hetsch); AK Kassel 1994b, S. 70, Nr. 76 u. S. 77, Nr. 87.1 u. 87.2; AK Kassel 1999a, S. 58-60; Material zur Familie Nahl aus dem Nachlass Nicolai (Landesbibliothek u. Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel, 2° Ms. Hass. 658,36).



Letzte Aktualisierung: 14.11.2016


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