Selbstbildnis



Selbstbildnis


Inventar Nr.: GK 744 (1875/1130)
Bezeichnung: Selbstbildnis
Künstler: Ludovike Simanowiz (1759 - 1827), Künstler, Dargestellt, zugeschrieben
Dargestellt: Ludovike Simanowiz (1759 - 1827), zugeschrieben
Datierung: um 1791/1792
Geogr. Bezug:
Material / Technik: Leinwand, doubliert
Maße: 41,3 x 33,3 cm (beschnitten an allen vier Seiten) (Bildmaß)
Provenienz:

erworben 1893 von dem Kunsthändler Gustav Cramer, Kassel


Katalogtext:
Das Brustbild, das an allen vier Seiten beschnitten ist, wurde 1893 als ein Werk von Thomas Gainsborough erworben. Schon wenige Jahre später wurde die Zuschreibung in Frage gestellt und das Gemälde der »englischen Schule gegen 1800« zugewiesen. Zuletzt galt es als ein Porträt Wilhelm Böttners, wobei sowohl der bewegte Pinselduktus als auch der Frauentypus nicht zu dessen Bildsprache passen.
Vermutlich handelt es sich bei dem temperamentvoll gemalten Porträt um ein Selbstbildnis der Ludovike Simanowiz (Helmut Börsch-Supan, Brief vom 2.11.2002). Vor freiem Himmel erscheint sie frontal, den Blick auf den Betrachter gerichtet. Das gekrauste, natürlich offen getragene Haar »à l’enfant« entspricht der französischen Haarmode nach dem Ausbruch der Revolution. In Absetzung zur absolutistischen Herrschaft wurden lange ungepuderte Lockenmähnen beliebt, die mit einem einfachen Band zusammengehalten wurden und Bekenntnis eines ›natürlichen‹ Körper- und Schönheitsideals waren.
Die schwäbische Malerin hat sich in mehreren Selbstporträts in Szene gesetzt, die fast alle nicht signiert und datiert sind. Ein ebenfalls beschnittenes, heute etwa gleich großes Selbstbildnis (Privatbesitz), das sie um 1790/91 während ihres zweiten Parisaufenthaltes gemalt haben soll, steht dem Kasseler Porträt am nächsten, wenngleich sie dort älter wirkt als auf dem vorliegenden Selbstbildnis. Dort gibt sie sich ebenfalls mit offenem Haar, auch sind die Gestaltung des Kragens und die Verschattung des Kinns vergleichbar, ebenso die großzügige, lockere Malweise. Simanowiz war vom Herbst 1791 bis August 1792 in Paris und hatte den Sturm auf die Bastille begeistert miterlebt. Im Kasseler Bildnis ist die Frisur offenes Bekenntnis zu den Idealen der Revolution. Damit dürfte es etwa zur selben Zeit entstanden sein wie das programmatische Porträt Eberhard Wächters (1762-1852), den Simanowiz mit blau-weiß-roter Kokarde und schwarzem Zylinder als Anhänger der Revolution charakterisierte (Marbach, Schiller-Nationalmuseum, Deutsches Literaturarchiv, Inv. Nr. 2714).

Kurzes Verzeichnis, 5. Aufl., 1894, Nr. 744 (unter »Thomas Gainsborough«); ebd., 8. Aufl., 1897, Nr. 744 (»angeblich Gainsborough«); ebd., 15. Aufl., 1905, Nr. 744 (unter »englische Schule gegen 1800«); Kat. Kassel 1913, S. 22, Nr. 744 (»englische Schule«); Kat. Kassel 1929, S. 26, Nr. 744; AK Kassel 1958, Nr. 18; Kat. Kassel 1958, S. 162, Nr. 744 (als »Unbekannter Meister um 1800«); Eckhardt 1967, Abb. 104; Herzog 1967b, o. S. (Böttner zugeschrieben); AK Stuttgart 1993, Bd. 1, S. 155-159, bes. Abb. 107 (Selbstporträts der Simanowiz).



Letzte Aktualisierung: 14.11.2016


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