Gattin des Künstlers mit Sohn



Gattin des Künstlers mit Sohn


Inventar Nr.: GK 938 (1875/1372)
Bezeichnung: Gattin des Künstlers mit Sohn
Künstler: Anton Wilhelm Tischbein (1730 - 1804)
Datierung: 1780er Jahre
Geogr. Bezug: Hanau
Material / Technik: Leinwand, doubliert
Maße: 158 x 109 cm (Bildmaß)
Umzug NG: 182,0 x 134,0 x 7,0 cm (Objektmaß)
Provenienz:

Georg Theodor Osius, Hanau

Ludwig Osius

erworben 1957 aus dem Vermächtnis von Major Ludwig Osius, Kassel

Beschriftungen: Beschriftung: verso auf dem Keilrahmen mit blauem Farbstift: Eigentum L. Osius Kassel Harleshausen Seebergstr. 16/Maler Anton Wilh. Tischbein seine Ehefrau und Sohn


Katalogtext:
In einem Park, der durch Blattwerk und eine antike Vase auf einem Sockel angedeutet ist, sitzen Mutter und Kind auf Steinquadern. Den Kopf im Gestus der Melancholie auf die rechte Hand gestützt, richtet die Frau ihren Blick auf den Betrachter. Das Kind lehnt sich auf den rechten Oberschenkel der Mutter und schaut versonnen in die Ferne. Die Kleidung der beiden, im Modestil der 1780er Jahre, ist farblich aufeinander abgestimmt. Die Mutter trägt ein weiß-hellgrau schimmerndes Kleid, durch dessen transparenten Stoff ein rosafarbener Rock scheint, helle Schnallenschuhe, Handschuhe und einen mit Schleifen, Kunstblüten und Tüll aufgeputzten Basthut. Mit diesen in Weiß-Hellgrau gehaltenen Farbtönen kontrastieren die schwarze, spitzenbesetzte Mantille und der dunkelgrüne Sonnenschirm. Das Kind mit blondem Haar ist in einem grau-gelb gestreiften Kleid mit Spitzenkragen und rosafarbenem Gürtel dargestellt. In den Händen hält es eine Trompete und einen Hut, der ebenso wie das Kleid mit rosafarbenen Schleifen verziert ist.
Die Pose von Mutter und Kind ist Familienbildnissen der englischen und französischen Porträtmalerei aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entlehnt, erinnert sei an Bildnisse von Thomas Gainsborough (1727-1830) und Elisabeth Vigée-Lebrun (1755-1842). Aufgrund einer alten Aufschrift des Vorbesitzers auf dem Keilrahmen des Gemäldes gelten die Dargestellten als Tischbeins »Ehefrau und Sohn«, als Maria Barbara Tischbein, geb. Fischbach, die der Maler nach dem Tod seiner ersten Frau im Januar 1775 geheiratet hatte, und als deren 1779 geborenes einziges Kind Heinrich Wilhelm.
Der Melancholiegestus der Frau und die Szene auf der vom Bildrand überschnittenen Prunkvase könnten aber auch Hinweise dafür sein, dass es sich um eine Witwe mit ihrem Kind handelt. Auf der Vase – allerdings kein typisches antikes Grabgefäß – ist eine sitzende weibliche Gestalt zu sehen, der eine zweite, stehende, mit einem Schleier verhüllte weibliche Gestalt die Hand reicht. Diese Verabschiedungsszene ist in der Antike ein geläufiger Topos auf Grabreliefs, wenngleich sich die Personen immer die rechte Hand reichen. Vom Bildtypus ist das Porträt dem ebenfalls in den 1780er Jahren entstandenen Bildnis der Witwe Schmidt-Capelle (1875/1544) von Friedrich August Tischbein nicht unähnlich.

Lepel 1937, S. 320; Kat. Kassel 1958, S. 151, Nr. 938 m. Abb.; Vogel 1961, S. 26; Oehler 1962, S. 61; Herzog 1967a, S. 151.



Letzte Aktualisierung: 14.11.2016


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