Szene aus Wielands Oberon, Skizze



Szene aus Wielands Oberon, Skizze


Inventar Nr.: GK 868 (1875/1233)
Bezeichnung: Szene aus Wielands Oberon, Skizze
Künstler: Johann Friedrich August Tischbein (1750 - 1812)
Datierung: um 1795
Geogr. Bezug:
Material / Technik: Leinwand, doubliert
Maße: 42,5 x 34 cm (Bildmaß)
Umzug NG: 47,6 x 39,5 x 3,8 cm (Objektmaß)
Provenienz:

erworben 1896 aus dem Nachlass von Friedrich Franz Anton Wilken, einem Enkel des Künstlers

Beschriftungen: Beschriftung: verso auf dem Keilrahmen mit blauem Stift: 538 a


Katalogtext:
Literarische Vorlage ist das von der englischen Dichtung inspirierte Versepos »Oberon« von Christoph Martin Wieland (1733-1813), das 1780 – und in einer gekürzten Fassung 1784 – erschienen war. Tischbeins Szene bezieht sich auf den achten Gesang (Strophe 74/75), wo die Elfenkönigin Titania der schlafenden Amanda ihr Kind bringt.
Amanda, in einem weißen, hochtaillierten, langen Kleid, sitzt in einer efeuumrankten Grotte, die durch Felsgestein und Buschwerk angedeutet ist, und hat die rechte Hand auf den Bauch gelegt. Aus der Sphäre des Himmels schwebt Titania – die eingreifende Macht des Überirdischen – als Traumerscheinung herab, in einem roten Gewand mit einem langen, blaugrauen Tuch, das vom Wind aufgebläht ist. In ihren Armen hält sie den Säugling.
Vorbild für die schwebende Figur der Titania mit dem aufgeblähten Gewand dürften antike Vorlagen gewesen sein, etwa die berühmten tanzenden Bacchantinnen aus der »Villa des Cicero« in Pompeji, die im 1755 erschienenen Stichwerk »Antichità di Ercolano« publiziert worden waren. Eine recht ähnliche Frauenfigur taucht auch auf einer von Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff (1736-1800) entworfenen Deckendekoration in Schloss Wörlitz auf.
Zu der Ölskizze sind weder eine Gemäldefassung noch weitere Skizzen bekannt, so dass unklar ist, in welchen Zusammenhang sie gehört und wann sie gemalt wurde. Illustrationen und bildliche Umsetzungen nach Wielands Oberon lagen 1789 nach Vorlagen von Georg Melchior Kraus vor. 1795 fertigte Johann Heinrich Ramberg (1763-1840) Zeichnungen an und in den Jahren 1803/04 schuf Johann Heinrich Füssli (1741-1825) Illustrationen für die zweite englische Ausgabe des »Oberon«. Tischbein hat Wieland persönlich während seines Aufenthaltes in Weimar im Sommer 1795 kennen gelernt und den Dichter mehrfach porträtiert (Kunsthalle Bremen; Marbach, Schiller-Nationalmuseum, Deutsches Literaturarchiv). Bisher wurde die Skizze in die Jahre zwischen 1785 und 1790 datiert. Es ist aber auch gut möglich, dass Tischbein sie im Auftrag von Fürst Franz in Dessau ausgeführt hat, der ihn im Dezember 1795 zum Hofmaler bestallte.

AK Darmstadt 1914, S. 145, Nr. 705; Kurzes Verzeichnis, 25. Aufl., 1914, Nr. 868 (als »Skizze zu einer allegorischen Komposition«); Kurzes Verzeichnis, 27. Aufl., 1917, Nr. 868; Stoll 1923, S. 182; Kat. Kassel 1929, S. 80, Nr. 868; Luthmer 1934, S. 33, Nr. 197; AK Kassel 1946, Nr. 36; AK Kassel 1952, S. 16, Nr. 283; Kat. Kassel 1958, S. 153, Nr. 868; AK Bregenz 1968, Nr. 441; Werner 1970, Abb. 11 (zur Frauenfigur in Wörlitz); Forster-Hahn 1984, S. 473-491; Franke 1993, Bd. 2, Nr. 601 u. Nr. 502-504 (zu Tischbeins Porträts von Wieland).



Letzte Aktualisierung: 30.01.2017


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