Die Rückgabe der Chryseis an ihren Vater, Skizze



Die Rückgabe der Chryseis an ihren Vater, Skizze


Inventar Nr.: LM 1938/61
Bezeichnung: Die Rückgabe der Chryseis an ihren Vater, Skizze
Künstler: Johann Friedrich August Tischbein (1750 - 1812)
Datierung: um 1796/1799
Geogr. Bezug: Dessau
Material / Technik: Leinwand, doubliert
Maße: 48 x 52 cm (Bildmaß)
Umzug NG: 62,0 x 65,0 x 8,5 cm (Objektmaß)
Provenienz:

erworben 1938 von dem Kunsthändler Dr. Rolph Grosse, Berlin


Katalogtext:
Als Sujet hat Tischbein eine in der bildenden Kunst selten dargestellte Nebenepisode aus Homers »Ilias« (I, 437-447) gewählt. Achill hatte im Trojanischen Krieg Chryseis, die schöne Tochter des Priesters Chryses, geraubt und König Agamemnon als Konkubine überlassen. Nach neuntägiger Pest erklärte sich Agamemnon schließlich bereit, Chryseis ihrem Vater durch Odysseus zurückzugeben, um den Zorn Apolls zu besänftigen.
Die Rückgabe findet im Inneren eines Zeltes statt, dessen dunkler Tuchstoff den nur schemenhaft auszumachenden Innenraum bestimmt. Odysseus, der in antiker Feldherrnkleidung in der Mitte platziert ist und durch sein leuchtendrotes Tuch und das helle Gewand besonders hervorgehoben wird, gibt dem Priester Chryses, der zu seiner Rechten kniet, die Tochter zurück. Beleuchtung und Farbigkeit sind nach der Bedeutung der Personen gestaffelt. Während sich das Mädchen durch das helle Inkarnat und das Tuch, in das es gehüllt ist, von der dunklen Umgebung des Zeltes abhebt, geht der Umhang ihres Vaters beinahe in das dunkle Braun über. Nur sein Gesicht und der Kragen setzen sich vom Hintergrund ab.
Die Ölskizze soll im Rahmen eines sechsteiligen Bilderzyklus zur »Ilias« entstanden sein, mit dem Fürst Franz seinen Hofmaler 1796 beauftragte, wobei der Verbleib dieser Gemälde nicht bekannt ist. Die im 18. Jahrhundert einsetzende Homerverehrung war zunächst in Paris durch die Bildtafeln des Comte de Caylus und die Schriften von Diderot wiederbelebt worden. In Deutschland erschienen Übersetzungen von Homers Ilias und »Odyssee« in den Jahren 1769/70 und 1781 und 1793. Die Dichtung Homers als Belehrung über tugend- und lasterhafte Taten war in aufgeklärten Kreisen ein beliebter Lesestoff und inspirierte Maler, Bildhauer, Dichter und Philosophen.

Thieme/Becker, Bd. 33, 1939, S. 208; Siefert 1988 (zu Homer-Themen in der Malerei des 18. Jh.); Franke 1993, Bd. 1, S. 150f. u. Bd. 2, Nr. 607.



Letzte Aktualisierung: 03.04.2017


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