Friederike Sophie Wilhelmine von Oranien-Nassau, Skizze



Friederike Sophie Wilhelmine von Oranien-Nassau, Skizze


Inventar Nr.: GK 843 (1875/1214)
Bezeichnung: Friederike Sophie Wilhelmine von Oranien-Nassau, Skizze
Künstler: Johann Friedrich August Tischbein (1750 - 1812)
Datierung: 1788
Geogr. Bezug: Den Haag
Material / Technik: Leinwand, doubliert
Maße: Umzug NG: 31,8 x 28,2 x 3,4 cm (Objektmaß)
26,5 x 22,7 cm (Bildmaß)
Provenienz:

erworben 1896 aus dem Nachlass von Friedrich Franz Anton Wilken, einem Enkel des Künstlers

Beschriftungen: Beschriftung: u.l. (von fremder Hand, vermutlich von Wilken): Scizze zu einem Portr. der Gemahlin des dänischen Gesandten im Haag v. Schubart


Katalogtext:
Die Pose von Friederike Sophie Wilhelmine von Oranien-Nassau, die in einem Innenraum in einem dunkelroten Sessel sitzt und ein Schriftstück in der rechten Hand hält, hat Friedrich August Tischbein in mehreren Damenbildnissen dieser Jahre mit geringen Variationen aufgegriffen. Daher erklären sich wohl auch die unterschiedlichen Identifizierungen der Dargestellten. Friedrich Wilken, ein Enkel des Malers, hat am unteren Bildrand auf das Porträt geschrieben: »Scizze zu einem Portr. der Gemahlin des dänischen Gesandten im Haag v. Schubart«.
Die Dargestellte ist auch als Wilhelmine Friederike Luise von Preußen (1774-1837) identifiziert worden, die Tochter des preußischen Königs Friedrich Wilhelm II. Doch offensichtliche Analogien der Ölstudie zu mehreren Gemäldeporträts von Tischbein, die deren Tante Friederike Sophie Wilhelmine von Oranien-Nassau (1751-1820) darstellen, legen nahe, dass es sich um diese Person handelt. Sie war die Tochter des Prinzen August Wilhelm von Preußen und die Schwester des preußischen Königs Friedrich Wilhelm II., 1767 heiratete sie Wilhelm V. von Oranien-Nassau (1748-1806), den Erbstatthalter der Niederlande.
Die Skizze dürfte im Rahmen eines umfangreichen Bildnisauftrages entstanden sein, den Tischbein 1788 bei seinem Aufenthalt in Den Haag von der holländischen Herrscherfamilie erhielt. Der Hof hatte ihn unter anderem mit einem offiziellen Kniestück der Erbstatthalterin Friederike Sophie Wilhelmine beauftragt, von dem er auch Repliken anfertigen sollte. Das noch im selben Jahr ausgeführte Gemälde, zu dem es ein Pendant mit dem Porträt ihres Ehemannes Wilhelms V. gibt, ist im Besitz der historischen Sammlungen des Hauses Oranien-Nassau (Inv. Nr. HtB 383). Die drei Repliken im selben Format befinden sich im Mauritshuis in Den Haag, in der Sammlung Huis (Inv. Nr. 508, bis 1918 im Berliner Schloss) und im Schloss Fredensborg bei Kopenhagen.
Tischbein bereitete seine Porträts zumeist in Ölskizzen vor. Mit locker hingeworfenen Pinselstrichen erprobte er Bildaufbau und Farbgebung und schenkte besonders der Lichtführung und der Stofflichkeit der Kleider große Aufmerksamkeit. Die Skizzen dienten ihm auch dazu, seinen Auftraggebern eine Vorstellung der späteren Gemälde zu geben. Mitunter wirken sie frischer und direkter als die späteren Gemälde, die von einem glatten Farbauftrag und einer weichen Modellierung bestimmt werden.
Der Eindruck privater Zurückgezogenheit, der bereits in der Skizze angelegt ist, wird auf dem Gemälde noch gesteigert. Dort hat die Erbstatthalterin die orangebraune Ordensschleife neben sich abgelegt. Tischbein folgte dem veränderten Repräsentationsverständnis, das sich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in der Porträtmalerei allgemein durchsetzte. Das prunkvoll gestaltete Standesporträt französischer Prägung wurde abgelöst von neuen Formen der Selbststilisierung, die schlichte Eleganz und eine betont natürliche Körpersprache ins Bild setzten. Auch das Ideal bürgerlicher Häuslichkeit, das in der Darstellung des Innenraums anklingt, ist typisch für die höfische Bildniskunst dieser Zeit.


Literatur:
  • Kurzwelly, Albrecht [Bearb.]: Die Leipziger Bildnismalerei von 1700 bis 1850. Leipzig 1912, Kat.Nr. 795.
  • Gronau, Georg: Katalog der Könglichen Gemäldegalerie zu Cassel. Berlin 1913, Kat.Nr. 843.
  • Stoll, Adolf: Der Maler Friedrich August Tischbein und seine Familie. Stuttgart 1923, S. 193.
  • Gronau, Georg; Luthmer, Kurt: Katalog der Staatlichen Gemäldegalerie zu Kassel. 2. Aufl. Berlin 1929, Kat.Nr. 843, S. 79.
  • Luthmer, Kurt: Die hessische Malerfamilie Tischbein. Verzeichnis ihrer Mitglieder und einer Auswahl ihrer Werke. Kassel 1934, Kat.Nr. 189, S. 32.
  • Vom Rokoko zur Romantik. Kassel 1946, Kat.Nr. 35.
  • Vogel, Hans: Katalog der Staatlichen Gemäldegalerie zu Kassel. Kassel 1958, Kat.Nr. 843, S. 152.
  • Tischbein, een reizend portrettist in Nederland. Utrecht 1987, Kat.Nr. 121-124, S. 87.
  • Franke, Martin: Johann Friedrich August Tischbein. Leben und Werk. Egelsbach u. a. 1993, Kat.Nr. 278 (Bd. 2), S. 58 (Bd. 1).
  • Heraeus, Stefanie [Bearb.]; Eissenhauer, Michael [Hrsg.]: Spätbarock und Klassizismus. Bestandskatalog der Gemälde in den Staatlichen Museen Kassel. Kassel [u.a.] 2003, Kat.Nr. 179, S. 206-207.


Letzte Aktualisierung: 26.09.2017


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