Leopold III. Friedrich Franz Fürst von Anhalt-Dessau, Skizze



Leopold III. Friedrich Franz Fürst von Anhalt-Dessau, Skizze


Inventar Nr.: GK 842
Bezeichnung: Leopold III. Friedrich Franz Fürst von Anhalt-Dessau, Skizze
Künstler: Johann Friedrich August Tischbein (1750 - 1812)
Datierung: um 1797
Geogr. Bezug: Dessau
Material / Technik: Leinwand, doubliert
Maße: 32 x 22,7 cm (Bildmaß)
Umzug NG: 37,3 x 28,2 x 3,2 cm (Objektmaß)
Provenienz:

erworben 1896 aus dem Nachlass von Friedrich Franz Anton Wilken, einem Enkel des Künstlers

Beschriftungen: Beschriftung: u. r. (von fremder Hand, wohl von Wilken): Skizze zu einem Porträt des Fürsten von Dessau
Beschriftung: verso auf dem Keilrahmen mit Bleistift: 22; u.: 797


Katalogtext:
Seit Dezember 1795 stand Tischbein für fünf Jahre in den Diensten Leopolds III. Friedrich Franz Fürst von Anhalt-Dessau (1740-1817), unter dessen Regierung sich Dessau zu einem Zentrum der Aufklärung in Deutschland entwickelte. Zu den großen kulturellen und reformpädagogischen Unternehmungen dieses Fürsten gehören die Gründungen des Basedowschen Philanthropin und der Chalcographischen Gesellschaft, ferner die Gestaltung der Parkanlagen von Dessau und Wörlitz. Fürst Franz ließ in Wörlitz als erster auf dem Kontinent einen Park im englischen Gartenstil anlegen. Seine Orientierung an England zeigt auch die Anwerbung Tischbeins als Hofmaler, dessen Bildnisauffassung unter englischem Einfluss stand.
Dem aufgeklärten Selbstverständnis des Fürsten entsprechend hat Tischbein ihn nach englischem Vorbild in betont ungezwungener, natürlicher Haltung vor einer Baumgruppe wiedergegeben. Die Rechte lässig in der Hüfte, stützt er sich mit der Linken auf die Ummauerung eines Treppenaufgangs, der zur Sieglitzer Solitude gehört haben soll, die außerhalb von Dessau lag und nach 1945 bis auf die Grundmauern zerstört wurde. Hinter ihm steht bildparallel sein Pferd, der schwarze Mecklenburger, und greift die leicht nach rechts gerichtete Bewegung des Fürsten auf. Fürst Franz, der sich bei Friedrich dem Großen von allen militärischen Diensten freistellen ließ, trägt keine Uniform, sondern einen schlichten, roten Rock, auf dem allein der Orden seinen Rang andeutet.
Tischbein berichtet in mehreren Briefen aus den Jahren 1797 und 1798 an den Weimarer Verleger Friedrich Justin Bertuch von seinen Bemühungen, den Fürsten zu einer Porträtsitzung zu bewegen. Während Stoll von fünf Skizzen spricht, führt Franke lediglich diese Ölskizze und eine lavierte Federzeichnung an (MHK, Graphische Sammlung, Inv. Nr. GS 4497), die Fürst Franz im Park von Wörlitz mit dem Pantheon im Hintergrund zeigt. Zu einer Gemäldefassung kam es jedoch nicht.


Literatur:
  • Kurzwelly, Albrecht [Bearb.]: Die Leipziger Bildnismalerei von 1700 bis 1850. Leipzig 1912, Kat.Nr. 797.
  • Gronau, Georg: Katalog der Könglichen Gemäldegalerie zu Cassel. Berlin 1913, Kat.Nr. 842, S. 68.
  • Stoll, Adolf: Der Maler Friedrich August Tischbein und seine Familie. Stuttgart 1923, S. 80, 183.
  • Gronau, Georg; Luthmer, Kurt: Katalog der Staatlichen Gemäldegalerie zu Kassel. 2. Aufl. Berlin 1929, Kat.Nr. 842, S. 80.
  • Luthmer, Kurt: Die hessische Malerfamilie Tischbein. Verzeichnis ihrer Mitglieder und einer Auswahl ihrer Werke. Kassel 1934, Kat.Nr. 187, S. 32.
  • Vom Rokoko zur Romantik. Kassel 1946, Kat.Nr. 31.
  • Vogel, Hans: Katalog der Staatlichen Gemäldegalerie zu Kassel. Kassel 1958, Kat.Nr. 842, S. 152.
  • Hirsch, Erhard [Hrsg.]: Carl August Böttiger, Reise nach Wörlitz 1797. Wörlitz 1985, S. 86.
  • Franke, Martin: Johann Friedrich August Tischbein. Leben und Werk. Egelsbach u. a. 1993, Kat.Nr. 16 (Bd. 2), S. 107 (Bd. 1).
  • Heraeus, Stefanie [Bearb.]; Eissenhauer, Michael [Hrsg.]: Spätbarock und Klassizismus. Bestandskatalog der Gemälde in den Staatlichen Museen Kassel. Kassel [u.a.] 2003, Kat.Nr. 181, S. 208-209.


Letzte Aktualisierung: 06.12.2017


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