Zwei Frauen mit einem Kind, Skizze



Zwei Frauen mit einem Kind, Skizze


Inventar Nr.: GK 850 (1875/1221)
Bezeichnung: Zwei Frauen mit einem Kind, Skizze
Künstler: Johann Friedrich August Tischbein (1750 - 1812)
Datierung: um 1812
Geogr. Bezug:
Material / Technik: Leinwand, doubliert
Maße: 33,8 x 23,5 cm (Bildmaß)
Umzug NG: 39,2 x 28,7 x 3,3 cm (Objektmaß)
Provenienz:

erworben 1896 aus dem Nachlass von Friedrich Franz Anton Wilken, einem Enkel des Künstlers

Beschriftungen: Beschriftung: verso auf dem Keilrahmen mit Bleistift: 803


Katalogtext:
Anscheinend ging es bei dieser Skizze primär darum, die Anordnung der Personen und ihre Bewegung zueinander zu erproben. Die emotionale Bindung der Dargestellten erhält vor allem durch die Gestik bildlichen Ausdruck: Während die stehende Frau das kleine Kind, das wohl gerade laufen lernt, an einer Hand hält, kniet die andere Frau vor ihm und streckt ihm beide Arme entgegen, um es aufzufangen. Die Ölskizze gibt Zeugnis von dem geschärften Bewusstsein für die Bedürfnisse des Kindes und von der gesteigerten Aufmerksamkeit, mit der dessen Entwicklung verfolgt wurde. Die Fortschritte kleiner Kinder schriftlich zu notieren, war im ausgehenden 18. Jahrhundert eine neue Verhaltensweise bürgerlicher Eltern.
Im Unterschied zu den Skizzen Tischbeins, die um 1800 entstanden sind und von Gelbockertönen bestimmt werden, sind hier warme Farben in Rotbraun vorherrschend: Während das Chemisenkleid der stehenden Frau wie auch die Inkarnate in blassem Rot gehalten sind, setzen sich die Hemdkleider der sitzenden Frau und des Kindes als weiße Flächen von dem braunen Grund ab. Gewisse motivische Übereinstimmungen bei den beiden Figuren lassen die Spekulation zu, dass die Ölskizze im Zusammenhang mit dem um 1812 gemalten Bildnis entstanden sein könnte, das wahrscheinlich Tischbeins Frau Sophie mit ihrer Tochter Caroline und deren Sohn Friedrich Franz Anton Wilken zeigt (Heidelberg, Kurpfälzisches Museum, Inv. Nr. G 106). Friedrich Wilken war der Enkel Tischbeins, aus dessen Nachlass die Kasseler Gemäldegalerie 1896 zwölf Ölskizzen erwarb. Diese bildeten den Grundstock für den Bestand des »Leipziger Tischbein« in Kassel.


Literatur:
  • Kurzwelly, Albrecht [Bearb.]: Die Leipziger Bildnismalerei von 1700 bis 1850. Leipzig 1912, Kat.Nr. 803.
  • Gronau, Georg: Katalog der Könglichen Gemäldegalerie zu Cassel. Berlin 1913, Kat.Nr. 850, S. 68.
  • Stoll, Adolf: Der Maler Friedrich August Tischbein und seine Familie. Stuttgart 1923, S. 203.
  • Gronau, Georg; Luthmer, Kurt: Katalog der Staatlichen Gemäldegalerie zu Kassel. 2. Aufl. Berlin 1929, Kat.Nr. 850, S. 80.
  • Vom Rokoko zur Romantik. Kassel 1946, Kat.Nr. 30.
  • Vogel, Hans: Katalog der Staatlichen Gemäldegalerie zu Kassel. Kassel 1958, Kat.Nr. 850, S. 153.
  • Poensgen, Georg: Kunstschätze in Heidelberg aus dem Schloß, den Kirchen und den Sammlungen der Stadt. München 1967, Kat.Nr. 101, S. 89.
  • Hardach-Pinke, Irene: Kinderalltag. Aspekte von Kontinuität und Wandel der Kindheit in autobiographischen Zeugnissen 1700-1900. Frankfurt a. M. 1981, S. 171.
  • Franke, Martin: Johann Friedrich August Tischbein. Leben und Werk. Egelsbach u. a. 1993, Kat.Nr. 591 (Bd. 2).
  • Heraeus, Stefanie [Bearb.]; Eissenhauer, Michael [Hrsg.]: Spätbarock und Klassizismus. Bestandskatalog der Gemälde in den Staatlichen Museen Kassel. Kassel [u.a.] 2003, Kat.Nr. 189, S. 216-217.


Letzte Aktualisierung: 26.09.2017


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