Äneas tritt vor die Königin Dido



Äneas tritt vor die Königin Dido


Inventar Nr.: GK 712 (1875/690)
Bezeichnung: Äneas tritt vor die Königin Dido
Künstler: Johann Heinrich d. Ä. Tischbein (1722 - 1789)
Datierung: 1773
Geogr. Bezug: Kassel
Material / Technik: Leinwand
Maße: 62,5 x 68,5 cm (Bildmaß)
Umzug NG: 78,8 x 75,0 x 6,0 cm (Objektmaß)
Provenienz:

im Auftrag von Landgraf Friedrich II.

1814 Schloss Wilhelmshöhe

1824 Schloss Wabern

1830 Gemäldegalerie

1864 Schloss Bellevue

1877, 1888 u. 1911 Neue Gemäldegalerie

Beschriftungen: Signatur: bez. in der Bildmitte (oberhalb Didos linker Schulter): JHT. (ligiert) pinx: 1773


Katalogtext:
Tischbein d. Ä. befasste sich in mehreren Gemälden mit Szenen aus dem Leben der Königin Dido (VSG, Weißensteinflügel), die dem trojanischen Helden Äneas und seinen Gefährten nach dem Fall Trojas Zuflucht in ihrer neu gegründeten Stadt Karthago gewährte, wie es Vergil im ersten Buch der »Aeneis« (579-630) schildert. Tischbein stellte die beiden Hauptpersonen der Szene im unmittelbaren Vordergrund allein dar. Ihre ausgeprägte Gestik vermittelt den Inhalt der Historie. Dido sitzt vor einem roten Vorhang etwas erhöht auf ihrem Thron und schaut zu Äneas herab, der im Profil als Halbfigur, vom unteren Bildrand überschnitten, an die Königin herantritt. Die rechte Hand demütig zur Brust geführt und die Augen nach oben gerichtet, holt er mit der linken zu seinem Gesuch aus. Die einladende Geste von Didos linker geöffneter Hand gibt ihrer Zustimmung Ausdruck. Die graublaue Rüstung des Äneas mit dem hermelingefütterten roten Feldherrnmantel und dem mit Adler und Federbusch bekrönten Helm harmoniert mit dem langen weißen Gewand der Königin, über dem sie einen goldenen Mantel mit roten Ornamenten und einen hellblauen Schleier trägt. Der weiße Dunst einer Wolke, die sich hinter der Gestalt des Äneas auftut, bezieht sich auf Vergils Textvorlage, wonach sich der Held in eine Wolke hüllte und seine Gefährten vor die Königin treten ließ, sich selbst aber erst zu erkennen gab, als Dido deren Bitte stattgab. Durch die abgeriebene Oberfläche im oberen Bildabschnitt ist die übrige Raumsituation des Gemäldes etwas verunklärt.
Tischbein griff das Sujet ein Jahr später erneut in einem großformatigen Gemälde für Kaiserin Katharina II. auf, dessen Verbleib nicht bekannt ist. Eine Vorstellung dieses Bildes kann wohl eine Ölskizze vermitteln, die als vorbereitende Studie gedeutet wird (Marburg, Universitätsmuseum). In den Gesten von Dido und Äneas stimmt sie mit dem vorliegenden Gemälde weitgehend überein. Dort schildert Tischbein die Begegnung der beiden jedoch nicht wie hier in einer nahsichtigen Halbfigurenkompostion, sondern in einer figurenreichen Szene, die in einem Innenhof vor einer Säulenhalle stattfindet.

Meusel 1, S. 145; Kat. Kassel 1819, S. 121, Nr. 743; Kat. Kassel 1830, S. 143, Nr. 867; Kat. Kassel 1845, S. 81, Nr. 867; Parthey 1863-64, Bd. 2, S. 641, Nr. 22; Kat. Kassel 1877, S. 76, Nr. 891a; Kat. Kassel 1888, S. 387, Nr. 678; Bahlmann 1911, S. 75, Nr. 53; Kat. Kassel 1913, S. 70, Nr. 712; Woermann 1922, S. 93; Luthmer 1934, S. 19, Nr. 49; Kat. Kassel 1958, S. 155, Nr. 712; AK Kassel 1989, S. 191, Nr. 11; Tiegel-Hertfelder 1996, S. 344f., G 61 u. S. 183-185, 347, G 66 (zur Ölskizze).



Letzte Aktualisierung: 10.06.2015


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