Minerva im Waffenschmuck



Minerva im Waffenschmuck


Inventar Nr.: GK 693 (1875/731)
Bezeichnung: Minerva im Waffenschmuck
Künstler: Johann Heinrich d. Ä. Tischbein (1722 - 1789)
Datierung: 1779
Geogr. Bezug: Kassel
Material / Technik: Leinwand
Maße: Umzug NG: 49,3 x 38,0 x 3,5 cm (Objektmaß)
42 x 31,5 cm (ovaler Spiegel) (Bildmaß)
Provenienz:

im Auftrag von Landgraf Friedrich II.

1804 Schloss Wilhelmshöhe, zweites Geschoss, in einem Zimmer neben der fürstlichen Bibliothek

1815 Schloss Wilhelmshöhe, Marmorsaal

1829 Gemäldegalerie

Beschriftungen: Signatur: bez. u.l. (auf dem Schild): J. H. Tischbein pinx. 1779


Katalogtext:
Tischbein d. Ä. hat Minerva vor neutralem dunklem Grund als Halbfigur im Dreiviertelprofil mit den für die Göttin üblichen Attributen dargestellt: Auf dem Haupt trägt sie den Helm, der mit einem goldenen Widderkopf und einer Schlange, einem geflügelten Pferd und einer Sphinx geschmückt ist und von einem mächtigen roten Federbusch bekrönt wird. Am Leib liegt die Ägis, der schuppige, schlangenbesetzte Panzer mit dem Gorgonenhaupt im Brustausschnitt. Mit der rechten Hand stützt sie sich auf ihren Schild, in der linken hält sie die Lanze.
Minerva war nicht nur die Göttin der Weisheit und der klugen Kriegsführung, sondern auch Friedensstifterin und als Göttin des Handwerks und der Kunstfertigkeit auch Schutzpatronin der Künste und der Wissenschaften. In der Herrscherikonographie des Hauses Hessen-Kassel taucht sie wiederholt auf, des Öfteren in Verbindung mit Herkules. Als Schirmherrin der Künste und Wissenschaften erscheint sie in Tischbeins um 1777/78 gemalter »Allegorie auf die Gründung der Kasseler Kunstakademie« (GK 941). Bis auf die Haltung des Kopfes und der Arme hat Tischbein sich im vorliegenden Gemälde weitgehend an die frühere Darstellung gehalten, wobei er durch die Attribute von Schild und Lanze hier stärker die kriegerischen Qualitäten der Göttin herausstellte.
In den 1816 und 1875 begonnenen Gemäldeinventaren wird »Der geharnischte Mars« als Pendantgemälde zu »Minerva« angeführt. Dieses Gemälde, das ebenfalls 1779 entstanden ist und den Kriegsgott in voller Rüstung mit Brustpanzer, Helm und Schwert zeigt, gilt seit dem Zweiten Weltkrieg als verschollen (Fotografie vor 1937 in: Marburger Index, Tf. 897). Tiegel-Hertfelder will in den Gesichtszügen der Minerva Ähnlichkeiten mit Tischbeins ältester Tochter Wilhelmine Caroline Amalie und im Mars den Maler selbst sehen. Es spricht allerdings nichts dafür, dass es sich bei dem mythologisch-allegorischen Bilderpaar um deifizierte Porträts handelt, wie sie in der Renaissance und im Barock geläufig waren und etwa aus den Bildnissen von Maria de Medici und Katharina II. bekannt sind. Zum einen wirken die Gesichtszüge der Minerva wenig porträthaft, zum anderen wäre kaum zu erklären, warum Tischbein von sich und seiner Tochter historische Rollenporträts für Schloss Wilhelmshöhe gemalt haben sollte. Die beiden Götter personifizieren hier – ganz so, wie es zu dieser Zeit üblich war – zwei zentrale Herrschertugenden: Kriegskunst einerseits und Wissenschaft und Kunst andererseits.
In Privatbesitz befindet sich eine Kreidezeichnung, in der die Göttin ähnlich wie im ausgeführten Gemälde als Halbfigur mit Lanze und Schild dargestellt ist, die wohl als Vorstudie zur Ölfassung diente.

Döring 1804, S. 15, Nr. 2; Verzeichnis Wilhelmshöhe 1815, Nr. 92; Kat. Kassel 1819, S. 127f., Nr. 805; Kat. Kassel 1830, S. 149, Nr. 932; Kat. Kassel 1877, S. 78, Nr. 873; Kat. Kassel 1888, S. 379, Nr. 658; Bahlmann 1911, S. 74, Nr. 16; Kat. Kassel 1913, S. 69, Nr. 693; Luthmer 1934, S. 19, Nr. 52; Kat. Kassel 1958, S. 155, Nr. 693; AK Kassel 1989, S. 191, Nr. 12; Pfeiff 1990; Tiegel-Hertfelder 1996, S. 361, G 93 u. S. 420, Z 71 (zur Zeichnung); Stefanie Heraeus, in: AK Kassel 1997, S. 79-98 (zur Herkulesikonographie in Hessen-Kassel).



Letzte Aktualisierung: 10.06.2015


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