Carlo und Ubaldo bei den Nymphen (Rinaldo-Armida Zyklus)



Carlo und Ubaldo bei den Nymphen (Rinaldo-Armida Zyklus)


Inventar Nr.: 1875/696
Bezeichnung: Carlo und Ubaldo bei den Nymphen (Rinaldo-Armida Zyklus)
Künstler: Johann Heinrich d. Ä. Tischbein (1722 - 1789)
Datierung: 1782
Geogr. Bezug: Kassel
Material / Technik: Leinwand
Maße: 111,5 x 145,5 cm (Bildmaß)
Umzug NG: 111,0 x 146,0 x 3,6 cm (Objektmaß)
Provenienz:

im Auftrag von Landgraf Friedrich II.

1783 Palais d'Armide

1792 Schloss Weißenstein, Erdgeschoss, Hauptsaal

1804 Schloss Wilhelmshöhe, Weißensteinflügel, Erdgeschoss, Hauptsaal

1805 Schloss Wilhelmshöhe, Audienzsaal

1815 Schloss Wilhelmshöhe, Kirchflügel

1824 Schloss Wabern

1827 Schloss Wilhelmshöhe

1829 Gemäldegalerie

1848 u. 1864 Schloss Bellevue

Beschriftungen: Signatur: bez. u.l.: J: H: Tischbein pinx 1782.


Katalogtext:
Die zweite Szene des Rinaldo-Armida-Zyklus (XV. Gesang, 58-68) schildert den Moment, in dem Carlo und Ubaldo in einer Lichtung auf zwei Nymphen der Zauberin Armida stoßen, die die Ritter zu verführen suchen. Tischbein d. Ä. wählte eine arkadische Landschaft mit einem See, in dem sich die Nymphen tummeln. Während die eine den Rittern zuwinkt und mit erhobenem rechtem Arm auf den Liebespalast der Armida weist, der erhöht auf einem Felsen liegt, deutet die andere auf die gefüllten Weinkrüge und erlesenen Früchte, die vor ihr angerichtet sind. Die beiden Ritter wenden den Nymphen zwar den Rücken zu, doch scheint Ubaldo von ihrem Anblick durchaus bezaubert zu sein. Er hat Carlos Schulter gepackt, während dieser ihm die rechte Hand abwehrend entgegenhält.
Tischbein bereitete die Szene und die beiden folgenden in lavierten, schmalen, hochrechteckigen Federzeichnungen vor, die aber einer anderen Erzählweise und Raumkonzeption folgen als die Gemälde. Die Figuren erscheinen nicht im Vordergrund wie in den querformatigen Gemäldefassungen, sondern im Mittelgrund, so dass die Kompositionen mehr räumliche Tiefe erhalten und die Bildräume großzügiger wirken. In der Zeichnung zum vorliegenden Gemälde haben die Ritter sich den Nymphen zugewandt und noch nicht zum Gehen angesetzt, sondern beraten noch (Privatbesitz).
Diese in der Malerei nicht so häufig dargestellte Szene dürfte angeregt worden sein durch die von Piazzetta gestaltete Version, die 1745 als Frontispiz in einer italienischen Ausgabe des »Befreiten Jerusalem« erschienen war und wie in Tischbeins Vorzeichnung die Szene im Hochformat in einer arkadischen Landschaft wiedergibt. Tischbein dürfte auch François Le Moynes Gemälde bekannt gewesen sein (St. Petersburg, Eremitage), das 1725 im Pariser Salon ausgestellt und seit 1731 als Kupferstich von Silvestre im Umlauf war. Auch wenn kein Nachstich dieses Gemäldes in Tischbeins Nachlass angeführt ist, zeigen andere Werke, dass sich der Maler mit Le Moynes Oeuvre wiederholt befasst hat (vgl. 1816/872, 1875/1267). Bei Le Moyne sitzen die drei Nymphen in seichtem Wasser in der Nähe einer gedeckten Tafel, oberhalb von ihnen liegt auf einer felsigen Anhöhe der Palast der Armida. Anders als Tischbein und Piazzetta rückte Le Moyne nicht die Ritter und deren Standhaftigkeit ins Zentrum der Darstellung, sondern lenkte das Augenmerk stärker auf die Verführungskunst der Nymphen. Im Sinne der barocken Formensprache sind bei Le Moyne und Piazzetta die vom Wind aufgeblähten Gewänder der beiden Ritter bildlicher Ausdruck ihrer Empfindungen. Im Vergleich dazu wird besonders deutlich, wie stark Tischbeins Spätwerk von der reduzierten, strengen Bildsprache des zeitgenössischen Klassizismus des Jahrhundertendes bestimmt ist.
Seit der Restaurierung des Gemäldes im Februar 1995 ist die Bezeichnung am unteren, linken Bildrand zweifelsfrei als »1782« zu lesen.

Apell 1792, S. 102, Nr. 9; Engelschall 1797, S. 95, Nr. 15; Döring 1804, S. 17, Nr. 9; Apell 1805, Teil 2, S. 33; Verzeichnis Wilhelmshöhe 1815, Nr. 13; Kat. Kassel 1819, S. 122f., Nr. 758; Kat. Kassel 1830, S. 144, Nr. 883; Kat. Kassel 1845, S. 82, Nr. 883; Parthey 1863-64, Bd. 2, S. 642, Nr. 53; Luthmer 1934, S. 20, Nr. 68; Auktionskat. Karl & Faber, Nr. 134, München 1. Juni 1973, S. 54, Nr. 343 u. Tf. 66 (Zeichnung); AK Kassel 1989, S. 191, Nr. 16; AK Düsseldorf 1995, S. 52, Tf. 9; Ritter-Santini 1995, S. 587f., Abb. 14; Tiegel-Hertfelder 1996, S. 225-233, 370f., G 111.



Letzte Aktualisierung: 10.06.2015


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