Augustus legt eine Krone auf den Sarkophag Alexanders



Augustus legt eine Krone auf den Sarkophag Alexanders


Inventar Nr.: 1875/709
Bezeichnung: Augustus legt eine Krone auf den Sarkophag Alexanders
Künstler: Johann Heinrich d. Ä. Tischbein (1722 - 1789)
Datierung: 1789
Geogr. Bezug: Kassel
Material / Technik: Leinwand
Maße: 137,5 x 100 cm (Bildmaß)
Provenienz:

1797 »im Tischbeinischen Hause zu Kassel« (Engelschall)

1864 Schloss Bellevue

Beschriftungen: Signatur: bez. l.: J. H. Tischbein. pinx. 1789


Katalogtext:
Tischbein d. Ä. hat das Gemälde am Ende seines Lebens ausgeführt – signiert ist es im Todesjahr des Malers, als er an einer starken Augenschwäche litt, die Farben nicht mehr selbst mischen konnte und, wie Casparson berichtet (1790, S. 171), auf die Hilfe seiner ältesten Tochter Amalie angewiesen war.
Mit der vorliegenden Szene griff der Maler ein Sujet auf, das er bereits 1781 in einer kleineren Version im Rahmen der vierteiligen Gemäldefolge zu Kaiser Augustus für Schloss Weißenstein behandelt hatte (VSG, Weißensteinflügel), hier nun aber als Nachtstück mit einer anderen Bedeutung umsetzte. Wie in der früheren Fassung findet auch hier die Szene in der Grabstätte selbst statt, wobei sie allein vom Schein einer Fackel beleuchtet wird. Augustus steht im Profil als Dreiviertelfigur vor Alexanders Sarkophag und hält in seinen Händen die goldene Zackenkrone, die er als Zeichen der Verehrung auf das Grab niederlegt. Zur Linken des Kaisers, dem Betrachter gegenüber, ist vor der Gräberwand der Ptolemäer ein ägyptischer Priester mit langem, schwarzem Bart in einem weißen, schweren Gewand und einer Haube dargestellt. Anders als in der Version von 1781, in der er die vier Liktoren, von denen hier nur zwei am linken Bildrand dargestellt sind, auf die Gräber der Ptolemäer hinweist, richtet der Priester seinen Blick auf den Betrachter. In der rechten Hand hält er ein Schriftstück, das vom Fackelschein beleuchtet wird und das auf Alexander und dessen Nachfolger in Ägypten verweist: »Alexandros ptolemaios lagou ptolemaios phila« – Alexander, Ptolemaios, Sohn des Lagos (Ptolemaios I., 367/6-283/2), Ptolemaios Philadelphos (Ptolemaios II., 308-246). Der junge Diener, der in der früheren Fassung anstelle der Fackel eine Blumengirlande in Händen hält, ist hier an der Stirnseite des Sarkophags platziert. Er schaut nicht zu dem anderen Diener in der linken unteren Bildecke hinüber, auch ist er nur von der Seite zu erkennen. Diese im Vergleich zur früheren Version geschlossenere Anordnung der Personen um den Sarkophag und die starke Dunkelheit der Szene geben ihr einen anderen Sinn. 1781 hatte Tischbein die politische Geste des Augustus, mit der er sich in die Tradition Alexanders des Großen stellte, als öffentliche, repräsentative Szene vor Augen geführt, die bei Tageslicht stattfindet. Im vorliegenden Gemälde hingegen wird die Begebenheit als eine geheimnisvolle nächtliche Veranstaltung inszeniert. Der matte Schein der Fackel beleuchtet nur die Gesichtszüge der Anwesenden. Selbst der rote Mantel des Augustus und der gleichfarbige Federbusch auf seinem Helm heben den Kaiser kaum innerhalb des tonigen, kontrastarmen Nachtstücks hervor. Das Gemälde, das in schlechtem Zustand ist, wirkt durch den Firnis heute noch düsterer und undurchsichtiger, als es zur Entstehungszeit beabsichtigt war.
Tischbein bereitete die Komposition in einer lavierten Tuschezeichnung vor, die mit 1788 signiert ist und in der die Helldunkeleffekte des Fackelscheins kontrastreicher inszeniert sind (Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Inv. Nr. HZ 7174). Zu dieser Helldunkelmalerei wurde Tischbein nicht allein durch die jüngere holländische Künstlergeneration, sondern auch durch die Beschäftigung mit Werken von Rembrandt angeregt, wofür etwa seine Radierung »Die Auferstehung Christi« ein anschaulicher Beleg ist (MHK, Graphische Sammlung, Inv. Nr. GS 5041).

Tischbein, Nachlassverzeichnis, S. 1, Nr. 4 (Bildmaße etwas kleiner angegeben: »4 Fuß, 2 Zoll hoch, 3 Fuß breit« = 130,8 x 94,7 cm); Engelschall 1797, S. 112, Nr. 123; Kat. Kassel 1830, S. 145f., Nr. 896; Kat. Kassel 1845, S. 83, Nr. 896; Parthey 1863-64, Bd. 2, S. 642, Nr. 40; Bahlmann 1911, S. 33 u. 76, Nr. 19; Luthmer 1934, S. 21, Nr. 74; AK Nürnberg 1983, S. 79, Nr. 95 (zur Zeichnung); AK Kassel 1989, S. 191, Nr. 18; Tiegel-Hertfelder 1996, S. 207-209, 252, 379f., G 125.



Letzte Aktualisierung: 10.06.2015


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