Die Muse Thalia (Die neun Musen)



Die Muse Thalia (Die neun Musen)


Inventar Nr.: GK 699 (1875/736)
Bezeichnung: Die Muse Thalia (Die neun Musen)
Künstler: Johann Heinrich d. Ä. Tischbein (1722 - 1789)
Datierung: um 1771
Geogr. Bezug: Kassel
Material / Technik: Leinwand, doubliert
Maße: 37 x 46 cm (Bildmaß)
Umzug NG: 43,5 x 52,5 x 5,0 cm (Objektmaß)
Provenienz:

im Auftrag von Landgraf Friedrich II.

1804 Schloss Wilhelmshöhe, Corps de logis, zweites Geschoss, in einem Vorzimmer der Bibliothek

1815 Schloss Wilhelmshöhe, Erdgeschoss, Marmorsaal

1829 Gemäldegalerie

Beschriftungen: Signatur: bez. l. (auf dem Relief): JHT: (ligiert)


Katalogtext:
Thalia, die Muse der Komödie, sitzt in einer Landschaft vor einem antikisierenden Altar mit einer Vase, dessen Basis mit dem Relief eines Bacchantenzugs geschmückt ist. Sie trägt ein weißes Gewand mit orangefarbenem Mantel und die in Cesare Ripas »Iconologia« beschriebene Efeugirlande über der Schulter und im Haar. Anders als Melpomene richtet sie den Blick, den Ripa als Zeichen ihres Anspruchs auf die komische Poesie als »lüstern« bezeichnet, direkt auf den Betrachter. In der linken Hand hält sie die komische Maske und in der rechten eine Schriftrolle, auf deren entrolltem Ende der in der »Iconologia« angeführte Ausspruch »describo mores hominum« zitiert ist: »Ich werde die Sitten der Menschen schildern.« Diesen aus der Emblematik bekannten Attributen der Thalia fügte Tischbein eine Laute und eine Handpuppe in einem roten Schellenmantel hinzu, die traditionelle Beigabe der Narren.
Wie im Gemälde der »Melpomene« (1875/737) lehnte sich der Maler auch hier an eine von ihm ausgeführte Supraporte in Schloss Arolsen an. Üblicherweise ist Thalia das Pendant zu Melpomene, die mit »1771« signiert ist, so dass auch das vorliegende Kabinettbild zu dieser Zeit entstanden sein dürfte. Die Gegenüberstellung von Tragödie und Komödie, den beiden Gattungen des Theaters, dürfte angeregt worden sein durch die »Tragödie« und die »Komödie« Vanloos, die dieser um 1750 für Madame Pompadour geschaffen hatte (Moskau, Puschkin-Museum). Von den beiden Musen Vanloos ist jeweils ein Nachstich in Tischbeins Nachlassverzeichnis aufgeführt (S. 34, Nr. 138), zudem ist die Kasseler »Melpomene« im Bildaufbau und in der Körperhaltung der Muse in Vanloos Gemälde recht ähnlich.

Döring 1804, S. 15, Nr. 3-11; Verzeichnis Wilhelmshöhe 1815, Nr. 87; Kat. Kassel 1819, S. 129, Nr. 810; Kat. Kassel 1830, S. 150, Nr. 937; Kat. Kassel 1877, S. 75, Nr. 879; Kat. Kassel 1888, S. 381f., Nr. 664; Bahlmann 1911, S. 74, Nr. 22; Kat. Kassel 1913, S. 69, Nr. 699; Hamann 1925, S. 21; AK Kassel 1946, S. 4, Nr. 8; Kat. Kassel 1958, S. 156, Nr. 699; AK Kassel 1964, S. 13, Nr. 42; AK Kassel 1989, S. 171, Nr. 50; Tiegel-Hertfelder 1996, S. 116 u. 342, G 57.


Literatur:
  • Marianne Heinz u.a.: 3x Tischbein und die europäische Malerei um 1800. Kassel/Leipzig/München 2005, Kat.Nr. 23, S. 102, 100.


Letzte Aktualisierung: 14.11.2016


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