Die Muse Kalliope (Die neun Musen)



Die Muse Kalliope (Die neun Musen)


Inventar Nr.: GK 696 (1875/733)
Bezeichnung: Die Muse Kalliope (Die neun Musen)
Künstler: Johann Heinrich d. Ä. Tischbein (1722 - 1789)
Datierung: 1780
Geogr. Bezug: Kassel
Material / Technik: Leinwand, doubliert
Maße: 38 x 47 cm (Bildmaß)
Umzug NG: 44,0 x 53,0 x 5,5 cm (Objektmaß)
Provenienz:

im Auftrag von Landgraf Friedrich II.

1804 Schloss Wilhelmshöhe, Corps de logis, zweites Geschoss, in einem Vorzimmer der Bibliothek

1815 Schloss Wilhelmshöhe, Erdgeschoss, Marmorsaal

1829 Gemäldegalerie

Beschriftungen: Signatur: bez. r. (auf der Säulenbasis): J. H. Tischbein. Sen: pinx. 1780


Katalogtext:
Mit »Kalliope«, der Muse der Heldendichtung, setzte Tischbein d. Ä. seine 1771 mit »Melpomene« (1875/737) und »Thalia« (1875/736) begonnenen Musendarstellungen im Jahr 1780 fort. Kalliope, die mit einem grünen Gewand und einem grauvioletten Mantel bekleidet ist, sitzt in einem Innenraum und hält in den Händen eine Wachstafel, auf der ihr Name steht, und einen Stilus, den in der Antike üblichen Schreibgriffel. Zur Linken der Muse liegen ein Lorbeer- und ein Myrtenkranz auf einem Säulenpostament. Darunter sind in einem Behälter mehrere Schriftrollen angeordnet, deren Titel, wie bei Ripa erklärt, auf die drei berühmtesten Epen der Heldendichtung verweisen, auf die »Odyssee« und die »Ilias« des Homer und die »Aeneis« Vergils. Auch die Kampfszenen der hellgrauen Steinreliefs, die in die rot-grau marmorierten Wände des Hintergrundes eingelassen sind, verweisen auf diese. Kalliopes Haarschmuck, die weiße Perlenkette und das goldene Diadem, in denen sich die Lorbeerblätter spiegeln, die in ihrem Haar stecken, geben Zeugnis von Tischbeins feiner Malweise: seiner differenzierten Farbgestaltung mit mannigfachen Abstufungen und seiner genauen Schilderung einzelner Details.
Tischbein bereitete die »Kalliope« in einer lavierten Federzeichnung vor, in der die Muse in ähnlicher Haltung wie im Gemälde festgehalten ist. Im Hintergrund ist dort anstelle der Wandreliefs eine antikisierende Vase zu sehen (Darmstadt, Hessisches Landesmuseum, Inv. Nr. HZ 405). Die großflächig angelegten Lavierungen des Blattes sind denen der ebenfalls in Darmstadt aufbewahrten Federlavierung der Muse Klio ähnlich (Inv. Nr. HZ 406).


Archivalien:
  • Robert, Ernst Friedrich Ferdinand [zusammengestellt von]: Verzeichniß der Gemälde auf Wilhelmshöhe im Kurfürstl. Schloß daselbst. 1815, Nr. 84.
Literatur:
  • Döring, Wilhelm: Beschreibung des Kurfürstlichen Landsitzes Wilhelmshöhe bey Cassel. Kassel 1804, Kat.Nr. 3-11, S. 15.
  • Robert, Ernst Friedrich Ferdinand: Versuch eines Verzeichnisses der Kurfürstlich Hessischen Gemählde-Sammlung. Cassel 1819, Kat.Nr. 807, S. 128.
  • Robert, Ernst Friedrich Ferdinand: Verzeichniß der Kurfürstlichen Gemählde-Sammlung. Cassel 1830, Kat.Nr. 934, S. 150.
  • Aubel, Carl: Verzeichnis der in dem Lokale der Neuen Gemälde-Gallerie zu Cassel befindlichen Bilder. Kassel 1877, Kat.Nr. 876, S. 75.
  • Eisenmann, Oscar: Katalog der Königlichen Gemälde-Galerie zu Cassel. Nachtrag von C. A. von Drach. Kassel 1888, Kat.Nr. 661, S. 380.
  • Bahlmann, Hermann: Johann Heinrich Tischbein. Straßburg 1911, Kat.Nr. 19, S. 74.
  • Gronau, Georg: Katalog der Könglichen Gemäldegalerie zu Cassel. Berlin 1913, Kat.Nr. 696, S. 69.
  • Vogel, Hans: Katalog der Staatlichen Gemäldegalerie zu Kassel. Kassel 1958, Kat.Nr. 696, S. 156.
  • Herzog, Erich [Bearb.]: Johann Heinrich Tischbein d. Ä. 1722-1789. Kassel 1964, Kat.Nr. 41, S. 12.
  • Marianne Heinz [Bearb.]; Erich Herzog [Bearb.+ Hrsg.]: Johann Heinrich Tischbein d. Ä. (1722 - 1789), Kassel trifft sich - Kassel erinnert sich in der Stadtsparkasse Kassel. Kassel 1989, Kat.Nr. 50, S. 171.
  • Alfter, Dieter; Lösche, Dietrich: Johann Heinrich Tischbein d. Ä. und das Schloß Pyrmont. Bad Pyrmont 1989, S. 16.
  • Tiegel-Hertfelder, Petra: "Historie war sein Fach". Mythologie und Geschichte im Werk Johann Heinrich Tischbeins d. Ä. (1722-1789). Worms 1996, S. 115, 364, G97, 420, Z73.
  • Heraeus, Stefanie [Bearb.]; Eissenhauer, Michael [Hrsg.]: Spätbarock und Klassizismus. Bestandskatalog der Gemälde in den Staatlichen Museen Kassel. Kassel [u.a.] 2003, Kat.Nr. 214, S. 252-253.
  • 3x Tischbein und die europäische Malerei um 1800. Kat. Staatliche Museen Kassel, Museum der bildenden Künste Leipzig. München 2005, Kat.Nr. 22, S. 100.


Letzte Aktualisierung: 21.09.2017


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