Das Blumenmädchen in der Schänke - Der Geruch



Das Blumenmädchen in der Schänke - Der Geruch


Inventar Nr.: GK 705 (1875/742)
Bezeichnung: Das Blumenmädchen in der Schänke - Der Geruch
Künstler: Johann Heinrich d. Ä. Tischbein (1722 - 1789)
Datierung: um 1754/1757
Geogr. Bezug: Kassel
Material / Technik: Leinwand
Maße: Umzug NG: 43,5 x 38,1 x 2,5 cm (Objektmaß)
41,5 x 36 cm (ovaler Spiegel) (Bildmaß)
Provenienz:

im Auftrag von Landgraf Wilhelm VIII.

1815 u. 1819 Schloss Wilhelmshöhe

Beschriftungen: Beschriftung: verso auf der Leinwand mit Bleistift: 18
Beschriftung: verso auf dem Rahmen: Nr. 60; altes Schild: 742


Katalogtext:
Die vier allegorischen Gemälde (vgl. 1875/740, 1875/741, 1875/743) geben die menschlichen Sinne wieder, wobei der Gehörsinn fehlt. Wie häufig in solchen Darstellungen zu finden, ist der Geschmack durch Weintrinker und eine speisende Frau vergegenwärtigt, der Geruch durch ein Mädchen, das einen Mann an ihren Blumen riechen lässt, und das Gefühl durch eine Messerstecherei zwischen Bauern sowie durch ein liebkosendes Paar. Das Gesicht ist durch den demonstrativ in die Ferne gerichteten Zeigegestus eines Seemanns und durch einen Reisenden veranschaulicht, der durch ein Fernrohr blickt.
In dem 1815 erstellten »Verzeichniß der Gemälde auf Wilhelmshöhe« vom Galerieinspektor Robert werden die »Vier Bauernstücke in Teniers Manier« unter Tischbein d. Ä. angeführt, ebenso in allen seit 1819 publizierten Sammlungskatalogen der Kasseler Gemäldegalerie. Abweichend von Tischbeins Historienbildern und Porträts nach französischen Vorbildern stellen die historisierenden Genrebilder in Sujet und Malweise – Lichtführung, Kolorit und Faktur – einen Einzelfall in seinem Werk dar.
Mit den vier Allegorien und deren derber Gebärden- und Mienensprache folgte Tischbein d. Ä. dem erzählfreudigen niederländischen Bauerngenre des 17. Jahrhunderts und lieferte damit ein Beispiel für den Mitte des 18. Jahrhunderts so beliebten Hollandismus, mit dem er nicht zuletzt während seines Parisaufenthalts durch seinen Freund, den Kupferstecher Johann Georg Wille (1715-1808), vertraut war. Mit der Darstellung von Alltagsszenen und ihren typischen Tätigkeiten folgen die Allegorien dem Bildtypus geselliger Kabinettbilder, wie er sich in der niederländischen Genremalerei und den Fünf-Sinne-Darstellungen ausgebildet hatte. Vor allem die beiden Bauern- und Wirtshausszenen zur Versinnbildlichung des Geschmacks und des Geruchs erinnern an Werke von David Teniers d. J. (1610-1690), von denen Landgraf Wilhelm VIII. mehrere für die Kasseler Gemäldesammlung erworben hatte. Da die Gemälde nicht im Inventarium B von 1775 verzeichnet sind und sich ab 1815 nachweislich in Schloss Wilhelmshöhe befanden, darf man vermuten, dass sie aus dem Jagdschloss Weißenstein oder aus dem Kasseler Residenzschloss stammen, in denen zahlreiche Werke der altniederländischen und der hollandistischen Malerei der Frankfurter »Goethe-Maler« hingen. Tischbein d. Ä. dürfte sie im Auftrag Landgraf Wilhelms VIII. zwischen 1754 und 1757 als Dekoration eines Innenraums gemalt haben.


Literatur:
  • Robert, Ernst Friedrich Ferdinand: Versuch eines Verzeichnisses der Kurfürstlich Hessischen Gemählde-Sammlung. Cassel 1819, Kat.Nr. 816, S. 13.
  • Robert, Ernst Friedrich Ferdinand: Verzeichniß der Kurfürstlichen Gemählde-Sammlung. Cassel 1830, Kat.Nr. 943, S. 151.
  • Aubel, Carl: Verzeichnis der in dem Lokale der Neuen Gemälde-Gallerie zu Cassel befindlichen Bilder. Kassel 1877, Kat.Nr. 885, S. 75.
  • Eisenmann, Oscar: Katalog der Königlichen Gemälde-Galerie zu Cassel. Nachtrag von C. A. von Drach. Kassel 1888, Kat.Nr. 670, S. 383.
  • Bahlmann, Hermann: Johann Heinrich Tischbein. Straßburg 1911, Kat.Nr. 1-4, S. 77.
  • Gronau, Georg: Katalog der Könglichen Gemäldegalerie zu Cassel. Berlin 1913, Kat.Nr. 705, S. 70.
  • Gerson, Horst: Ausbreitung und Nachwirkung der holländischen Malerei des 17. Jahrhunderts. Haarlem 1942, S. 311.
  • Kauffmann, Hans: Die fünf Sinne in der niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts. In: Kunstgeschichtliche Studien. Festschrift für Dagobert Frey (1943), S. 133-154, S. 133-154.
  • Vogel, Hans: Katalog der Staatlichen Gemäldegalerie zu Kassel. Kassel 1958, Kat.Nr. 705, S. 157.
  • Putscher, Marielene: Die fünf Sinne. In: Festschrift für Wolfgang Krönig (= Aachener Kunstblätter 41, 1971) (1971), S. 152-173, S. 152-173.
  • Marianne Heinz [Bearb.]; Erich Herzog [Bearb.+ Hrsg.]: Johann Heinrich Tischbein d. Ä. (1722 - 1789), Kassel trifft sich - Kassel erinnert sich in der Stadtsparkasse Kassel. Kassel 1989, Kat.Nr. 26, S. 192.
  • Heraeus, Stefanie [Bearb.]; Eissenhauer, Michael [Hrsg.]: Spätbarock und Klassizismus. Bestandskatalog der Gemälde in den Staatlichen Museen Kassel. Kassel [u.a.] 2003, Kat.Nr. 223, S. 260-261.


Letzte Aktualisierung: 21.09.2017


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