Bauernschlägerei - Das Gefühl



Bauernschlägerei - Das Gefühl


Inventar Nr.: GK 706 (1875/743)
Bezeichnung: Bauernschlägerei - Das Gefühl
Künstler: Johann Heinrich d. Ä. Tischbein (1722 - 1789)
Datierung: um 1754/1757
Geogr. Bezug: Kassel
Material / Technik: Leinwand
Maße: Umzug NG: 43,8 x 38,4 x 2,0 cm (Objektmaß)
41,5 x 36 cm (ovaler Spiegel) (Bildmaß)
Provenienz:

im Auftrag von Landgraf Wilhelm VIII.

1815 u. 1819 Schloss Wilhelmshöhe

Beschriftungen: Beschriftung: verso auf der Leinwand mit Blei- und Rotstift: 6, 706
Beschriftung: verso auf dem Rahmen: Nr. 61; altes Schild: 743


Katalogtext:
Die vier allegorischen Gemälde (vgl. 1875/740, 1875/741, 1875/742) geben die menschlichen Sinne wieder, wobei der Gehörsinn fehlt. Wie häufig in solchen Darstellungen zu finden, ist der Geschmack durch Weintrinker und eine speisende Frau vergegenwärtigt, der Geruch durch ein Mädchen, das einen Mann an ihren Blumen riechen lässt, und das Gefühl durch eine Messerstecherei zwischen Bauern sowie durch ein liebkosendes Paar. Das Gesicht ist durch den demonstrativ in die Ferne gerichteten Zeigegestus eines Seemanns und durch einen Reisenden veranschaulicht, der durch ein Fernrohr blickt.
In dem 1815 erstellten »Verzeichniß der Gemälde auf Wilhelmshöhe« vom Galerieinspektor Robert werden die »Vier Bauernstücke in Teniers Manier« unter Tischbein d. Ä. angeführt, ebenso in allen seit 1819 publizierten Sammlungskatalogen der Kasseler Gemäldegalerie. Abweichend von Tischbeins Historienbildern und Porträts nach französischen Vorbildern stellen die historisierenden Genrebilder in Sujet und Malweise – Lichtführung, Kolorit und Faktur – einen Einzelfall in seinem Werk dar.
Mit den vier Allegorien und deren derber Gebärden- und Mienensprache folgte Tischbein d. Ä. dem erzählfreudigen niederländischen Bauerngenre des 17. Jahrhunderts und lieferte damit ein Beispiel für den Mitte des 18. Jahrhunderts so beliebten Hollandismus, mit dem er nicht zuletzt während seines Parisaufenthalts durch seinen Freund, den Kupferstecher Johann Georg Wille (1715-1808), vertraut war. Mit der Darstellung von Alltagsszenen und ihren typischen Tätigkeiten folgen die Allegorien dem Bildtypus geselliger Kabinettbilder, wie er sich in der niederländischen Genremalerei und den Fünf-Sinne-Darstellungen ausgebildet hatte. Vor allem die beiden Bauern- und Wirtshausszenen zur Versinnbildlichung des Geschmacks und des Geruchs erinnern an Werke von David Teniers d. J. (1610-1690), von denen Landgraf Wilhelm VIII. mehrere für die Kasseler Gemäldesammlung erworben hatte. Da die Gemälde nicht im Inventarium B von 1775 verzeichnet sind und sich ab 1815 nachweislich in Schloss Wilhelmshöhe befanden, darf man vermuten, dass sie aus dem Jagdschloss Weißenstein oder aus dem Kasseler Residenzschloss stammen, in denen zahlreiche Werke der altniederländischen und der hollandistischen Malerei der Frankfurter »Goethe-Maler« hingen. Tischbein d. Ä. dürfte sie im Auftrag Landgraf Wilhelms VIII. zwischen 1754 und 1757 als Dekoration eines Innenraums gemalt haben.

Verzeichnis Wilhelmshöhe 1815, Nr. 137-140; Kat. Kassel 1819, S. 130, Nr. 814-817; Kat. Kassel 1830, S. 151f., Nr. 941-944; Kat. Kassel 1877, S. 75, Nr. 883-886; Kat. Kassel 1888, S. 383f., Nr. 668-671; Bahlmann 1911, S. 77, Nr. 1-4; Kat. Kassel 1913, S. 70, Nr. 703-706; Gerson 1942, S. 311; Kauffmann 1943, S. 133-154 (allg.); Kat. Kassel 1958, S. 157, Nr. 703-706; Putscher 1971, S. 152-173 (allg.); AK Kassel 1989, S. 192, Nr. 24-27.



Letzte Aktualisierung: 20.09.2017


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