Julius Jürgen von Wittorf



Julius Jürgen von Wittorf


Inventar Nr.: LM 1919/47
Bezeichnung: Julius Jürgen von Wittorf
Künstler: Johann Heinrich d. Ä. Tischbein (1722 - 1789)
Datierung: 1770
Geogr. Bezug: Kassel
Material / Technik: Leinwand
Maße: 127 x 95 cm (Bildmaß)
Provenienz:

erworben 1919

Beschriftungen: Signatur: bez. (unter dem Familienwappen der Wittdorfs; nicht eigenhändig): Julius Jürgen von Wittorf wurde Ritter und Ceremoniemeister des Ordens bey der Stiftung: an. 1770. Cantzler des Ordens am 19.ten Nov. 1775 und Commandeur zu Marburg den 25.t Aug. 1777.


Katalogtext:
Julius Jürgen von Wittorf (1714-1802), der über 70 Jahre lang das Vertrauen der Landgrafen von Hessen-Kassel genoss, ist im repräsentativen Kniestück als Zeremonienmeister des Hessischen Hausordens vom Goldenen Löwen in Szene gesetzt. Im Dreiviertelprofil nach rechts gewandt, steht er in einem Innenraum, vor dessen dunkler Wand sein wallender, rotsamtener Ordensmantel mit breitem weißem Pelzkragen und weißem Futter besonders gut zum Ausdruck kommt. Das Hauptaugenmerk ist auf die Ritterkleidung und die Ordenszeichen gelegt, woraus sich wohl auch das etwas unproportionierte Verhältnis von Kopf und Körper erklärt. Auf dem Mantel und dem blauen Rock sind die Ordenssterne des Hausordens vom Goldenen Löwen angebracht, die den Dargestellten ebenso wie das hellrote Schulterband mit dem Ordenskleinod als hohen Würdenträger des hessen-kasselischen Hofes ausweisen. In der rechten Hand hält Wittorf den Zeremonienstab aus Ebenholz und Elfenbein, der in dieser Form bis 1803 in Gebrauch war. Die linke stützt er auf einen Tisch, auf dem sein Zweispitz und ein roter Samtbeutel liegen.
Landgraf Friedrich II., dessen goldenes Monogramm mit der Landgrafenkrone auf den Samtbeutel gestickt ist, hatte den Hausorden vom Goldenen Löwen am 14. August 1770 gestiftet. Zunächst wurde er an Mitglieder des Hauses und deren Diener, später auch an befreundete Familien verliehen. Wittorf hatte den Orden bei der »ersten Reception« erhalten. Patronin des Ordens war die Familienheilige des katholischen Landgrafen, die heilige Elisabeth, zu deren Namenstag am 19. November alljährlich mit großem Zeremoniell das Ordensfest im Kasseler Stadtschloss stattfand. Friedrich II. ließ dafür zwischen 1770 und 1772 den »Rotensteinsaal« im Fuldaflügel des Schlosses zu einem Ordenssaal umbauen, in dem der Thron des Landgrafen und die Stühle für die Ordensritter standen. Die Ernennung Wittorfs zum Zeremonienmeister und Ritter des Ordens im August 1770 dürfte der Anlass für das Gemälde gewesen sein.
Der aus Celle stammende Wittorf, zunächst Page am Hof in Hannover, diente seit Oktober 1729 den Landgrafen von Hessen-Kassel. Unter Wilhelm VIII. reüssierte er vom Pagen zum Oberstallmeister und Oberkammerherrn. Landgraf Friedrich II. setzte ihn mehrfach als außerordentlichen Gesandten ein, worauf von Wittorf in seinem selbst verfassten Lebenslauf ausführlich eingeht. 1772 wurde er zum Geheimen Staatsminister, zum Leiter der Post, der wohltätigen Anstalten und der Leihbank ernannt. Wesentlich beteiligt war er an der Aussöhnung Landgraf Friedrichs II. mit seinen Söhnen im Jahr 1782. Wilhelm IX. traute Wittorf nicht und setzte ihn 1786 als Oberstallmeister ab (StAM, Best. 340). Als Oberkammerherr organisierte er aber weiterhin Feste der landgräflichen Familie, wofür er 1797 den preußischen Adlerorden erhielt.
Eine schwache Wiederholung des Gemäldes, die wohl trotz Signatur aus der Werkstatt Tischbeins stammt, tauchte 1991 im hessischen Kunsthandel auf.

Hochfürstlich Hessen-Casseler Staats- und Adresskalender, 1771, S. 37f.; Wittorf; Engelschall 1797, S. 126, Nr. 67; Both/Vogel 1973, S. 26 u. 134 (nur biograph. Angaben); AK Kassel 1979, S. 229, Nr. 345; AK Kassel 1989, S. 191, Nr. 6; Weltkunst, Nov. 1991, Nr. 22, m. Farbabb. (Zweitfassung); Flohr 1997, S. 214, G 105 u. S. 302, W 35; Heppe 2000, S. 173 (zum Ordenssaal); Stieglitz 2002.



Letzte Aktualisierung: 29.04.2016


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