Wilhelmine Caroline Amalie Tischbein (Die blaue Dame)



Wilhelmine Caroline Amalie Tischbein (Die blaue Dame)


Inventar Nr.: GK 717 (1875/1086)
Bezeichnung: Wilhelmine Caroline Amalie Tischbein (Die blaue Dame)
Künstler: Johann Heinrich d. Ä. Tischbein (1722 - 1789)
Datierung: um 1777/1780
Geogr. Bezug: Kassel
Material / Technik: Leinwand, doubliert
Maße: 77 x 61 cm (Bildmaß)
Umzug NG: 93,2 x 79,3 x 6,5 cm (Objektmaß)
Provenienz:

1888 von der Kasseler Kunstakademie überwiesen


Katalogtext:
Tischbein hat seine ältere Tochter Amalie, die später als Malerin tätig war, in verschiedenen Gemälden festgehalten (LM 1940/481, LM 1938/62). Hier griff er einen Bildtypus auf, den er nach den Darstellungskonventionen der französischen Rokokomalerei bei vielen seiner Damenbildnisse verwendete, etwa auch bei den Porträts seiner beiden Ehefrauen (1875/1193, 1875/1192): Er zeigt die Dargestellte, die sich – dicht an den vorderen Bildrand gerückt – im Dreiviertelprofil zum Betrachter wendet, als elegante anmutige Erscheinung in halber Figur als pyramidal komponierte Büste vor neutralem dunklem Grund.
Virtuos hat Tischbein auch hier die Stoffe der Kleidung wiedergegeben. Amalie trägt einen leuchtendblauen Seidenmantel mit braunem Pelzbesatz und Kapuze, der in weichen Falten über die Schultern fällt und am Hals von einer blauen Schleife zusammengehalten wird. Ihre Hände sind in einem braunen Pelzmuff verborgen. Vom Kleid sind nur der weiße Spitzenbesatz und die hellen Spitzenmanschetten zu sehen. In ihrem grau gepuderten, klein gelockten Haar stecken ein Kranz aus blauen Kunstblumen, eine Perlagraffe und Federn. Den Nacken schmückt eine graue Seidenschleife. Nicht nur im Bildaufbau, sondern auch in der Farbgebung, dem Dreiklang von Blau-Braun-Weiß-Tönen, weist das Porträt starke Parallelen zu den Bildnissen von Amalies Mutter auf, die Tischbein um 1760 geschaffen hat und die diese ebenfalls im blauen Seidenmantel zeigen (vgl. 1875/1193).
Bislang wird das Gemälde um 1777 datiert, in der Annahme, dass es anlässlich der Heirat von Amalie im Jahr 1778 entstanden sei. Zum Entstehungszusammenhang bietet aber allenfalls die Provenienz einen Anhaltspunkt, denn das Gemälde stammt aus dem Besitz der Kasseler Kunstakademie. In diese wurde Amalie im Frühjahr 1780 als Ehrenmitglied zusammen mit einigen anderen Malerinnen aufgenommen. Auch wenn von der Gemäldesammlung der Kasseler Kunstakademie kein Bestandsverzeichnis überliefert ist, darf man vermuten, dass sie – so wie viele Akademien – eine Sammlung von Künstlerporträts hatte, zu der auch das vorliegende Bildnis gehörte.

Meusel, Miscellaneen, 9. H., 1781, S. 139, Nr. V; Knackfuß 1908, S. 49; Bahlmann 1911, S. 14f. u. 72, Nr. 15; Kat. Kassel 1913, S. 70, Nr. 717; Kat. Kassel 1929, S. 82, Nr. 717; Luthmer 1934, S. 16, Nr. 33; Thieme/Becker, Bd. 33, 1939, S. 210; AK Kassel 1946, S. 4, Nr. 3; Kat. Kassel 1958, S. 157, Nr. 717; AK Kassel 1964, S. 12, Nr. 37; Herzog 1967a, S. 147; AK Kassel 1989, S. 165, Nr. 28; »Der Kasseler Tischbein«, in: Kunst und Antiquitäten, 1989, H. 6, S. 55 m. Abb.; Flohr 1997, S. 83f., 107 u. 238f., G 158; AK Gotha 1999, S. 347 (nur biograph. Angaben mit weiterer Lit.).


Literatur:
  • Marianne Heinz u.a.: 3x Tischbein und die europäische Malerei um 1800. Kassel/Leipzig/München 2005, Kat.Nr. 48, S. 164.


Letzte Aktualisierung: 14.11.2016


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