Landgräfin Philippine auf der Reiherbeize



Landgräfin Philippine auf der Reiherbeize


Inventar Nr.: AZ 4384
Bezeichnung: Landgräfin Philippine auf der Reiherbeize
Künstler: Johann Heinrich d. Ä. Tischbein (1722 - 1789)
Datierung: um 1763/1764 u. nach 1773
Geogr. Bezug: Kassel
Material / Technik: Leinwand, doubliert
Maße: 81,5 x 104 cm (Bildmaß)
Provenienz:

erworben 1883 aus dem Nachlass der Gräfin Bose, Kassel

Schloss Heydau, Morschen

1880 Frau General Louise Duplessis, geb. von Schwarzenberg, Paris

Beschriftungen: Beschriftung: verso Klebezettel des Bose-Museums, Inv. Nr. 59: Tischbein, Landgräfin Philippine auf der Reiherbeize


Katalogtext:
Das Motiv der höfischen Jagdgesellschaft mit Jagdschloss Wabern im Mittelgrund entlehnte Tischbein d. Ä. seinem Zyklus »Die Reiherbeize«, einer Folge von sechs Wandgemälden, die er 1763/64 im Auftrag von Landgraf Friedrich II. für Schloss Wabern ausgeführt hat (Eichenzell, Hessische Hausstiftung, Museum Schloss Fasanerie, Inv. Nr. FAS B 387, 389, 391-394). Die Jagd war im 18. Jahrhundert ein Akt festlicher Repräsentation und Teil des Hofzeremoniells, die Reiherbeize galt als die vornehmste Art zu jagen.
Wie in der großformatigen Bilderfolge (Inv. Nr. FAS B 387) sind auch hier in einer Hügellandschaft – etwa in der Bildmitte – Landgraf Friedrich II., in roter Jagduniform auf einem Schimmel, und sein Gast Carl August Friedrich Fürst von Waldeck und Pyrmont, in grünem Rock auf einem Rappen, dargestellt. Die beiden Fürsten hatten sich im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) bekämpft. Die Gemäldefolge, die Tischbein im Jahr des Friedensschlusses begonnen hat, sollte das Ende der Auseinandersetzungen, auch zwischen Hessen-Kassel und Waldeck-Pyrmont, belegen. Einzelne Personen sind hier wie in Tischbeins großformatiger »Reiherbeize« dargestellt: der Landgraf und sein fürstlicher Gast, der mit der rechten Hand in die Luft zeigt, der Hoffalkoniermeister Heinrich Verhuven in rotem Rock mit dem verkappten, mit Haube und Trosch geschmückten Falken in der Linken sowie der Oberkammerherr und Oberstallmeister Jürgen von Wittorf und der Waldecksche Oberjägermeister Friedrich Ulrich von Leliva, die etwas versetzt hinter Friedrich II. erscheinen.
Landgräfin Philippine ist wohl später von einem anderen, unbekannten Maler eingefügt worden. In einem langen roten Mantel sitzt sie auf einem Schecken und reitet, von den übrigen isoliert, an der Spitze der Gruppe. Im Vergleich zu den anderen Pferden ist der Schecke unproportioniert und von deutlich schwächerer Qualität. Auch macht die Position der Landgräfin an der Spitze der Jagdgesellschaft wenig Sinn.

Kat. Kassel 1896 (Bose-Museum), S. 8, Nr. 22; Kat. Kassel 1899 (Bose-Museum), S. 8, Nr. 22; Luthmer 1934, S. 21, Nr. 76; Thieme/Becker, Bd. 33, 1939, S. 210; Lutze 1961; Harig 1988; AK Arolsen 1992, S. 276f.; AK Moskau 2002, S. 39, Nr. 20.



Letzte Aktualisierung: 08.09.2017


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