Allegorie auf die Schleifung der Befestigungsanlagen



Allegorie auf die Schleifung der Befestigungsanlagen


Inventar Nr.: GK 715 (1875/745)
Bezeichnung: Allegorie auf die Schleifung der Befestigungsanlagen
Künstler: Johann Heinrich d. Ä. Tischbein (1722 - 1789)
Datierung: um 1768
Geogr. Bezug: Kassel
Material / Technik: Leinwand
Maße: 75 x 120,5 x 6 cm (Objektmaß)
66 x 111 cm (Bildmaß)
Provenienz:

im Auftrag von Landgraf Friedrich II.

im Mai 1822 nach Schloss Wilhelmshöhe, von dort nach Schloss Wabern


Katalogtext:
Zu den Aufgaben des Hofmalers gehörte es, an der Ausstattung der landgräflichen Schlösser mitzuwirken. Von Tischbein d. Ä. und seiner Werkstatt sind mehrere Supraporten von unterschiedlicher malerischer Qualität erhalten. Als Verzierungen über Türen waren sie hoch über den Köpfen der Betrachter angebracht, zu weit entfernt für eine genaue Betrachtung. Manche stammen aus dem Kasseler Residenzschloss, von vielen weiß man nicht, wo sie ursprünglich hingen. Allegorische Darstellungen wie Kindergenien, die auf Wolken lagern, in anmutiges Spiel vertieft sind oder mit Blumengirlanden, Musikinstrumenten oder Waffen spielen, eigneten sich besonders gut für Supraporten, da sie den Räumen nur als beiläufige Anspielung hinzugefügt wurden und hinter die ornamentalen Innendekorationen und die übrigen Gemälde und Möbel zurücktreten sollten.

Vor einer Säule und einem Quadermauerwerk kniet ein Putto mit einem ausgerollten Plan, der die städtebaulichen Maßnahmen zeigt, die Landgraf Friedrich II. während seiner Regierungszeit in Kassel durchführen ließ. Dargestellt ist – wie in der linken unteren Ecke des Plans vermerkt – der »Grundriß wie nach Demolierung der Vestungswerke die alte Stadt Cassell mit der oberen Stadt vereinigt wird im Jahre 1768«. Das Planungsstadium ist präzise wiedergegeben. Man darf annehmen, dass Tischbein die Entwürfe von Simon Louis du Ry kannte, so dessen ganz ähnlich bezeichnete kolorierte Entwurfszeichnung zum Friedrichsplatz von 1768: »Project wie die Altstadt Cassel mit der Oberneustadt vereiniget werden könnte« (Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel). Mit dem rechten Zeigefinger weist der Putto den Betrachter auf die Stelle an der Südostseite des Friedrichsplatzes hin, wo Landgraf Friedrich II. die ehemaligen Festungswerke Wilhelms IV. (1532-1592) niederreißen ließ. Die Kasseler Altstadt wurde von ihrem Bastionsgürtel befreit und mit der hugenottischen Oberneustadt verbunden, und der Friedrichsplatz wurde anstelle des Altmarktes zum Mittelpunkt der Stadt. Ein zweiter Putto hat sich über den Grundriss gebeugt und vermisst ihn mit einem Zirkel. Am linken Bildrand ist die weiße Marmorbüste Friedrichs II. mit einem Lorbeerkranz im Haar postiert. Zu ihren Füßen sitzt ein weiterer Putto und skizziert das Porträt Friedrichs II. Der Mittelgrund zeigt das freie Baugelände; dort verrichten drei Putten Messarbeiten. Hinter ihnen ist der Zwehrenturm zu erkennen, der bei der Schleifung der Festungswerke als einziger der mittelalterlichen Tortürme erhalten blieb, sowie das 1587 erbaute Neue Tor und Teile der noch nicht abgetragenen Bastionen, die den Hauptschutz der Wälle bildeten. Einzelne Gebäude der Oberen Königstraße sind bereits auszumachen. Der Standort des Betrachters befindet sich an der Ecke Frankfurter Straße/Friedrichsplatz.
Das querrechteckige Bildformat sowie die Darstellung in leichter Untersicht weisen das Gemälde als Supraporte aus, wobei sich nicht mehr rekonstruieren lässt, für welche landgräfliche Residenz es bestimmt war.

Bahlmann 1911, S. 79, Nr. 1-6; Kat. Kassel 1913, S. 70, Nr. 715; Holtmeyer, Bd. VI, 1923, S. 104f., 122 u. Tf. 72-73; Kat. Kassel 1958, S. 157, Nr. 715; Both/Vogel 1973, S. 152-155; AK Kassel 1979, S. 202, Nr. 224 (zu du Rys Plan); AK Kassel 1985b, S. 298, Nr. 166, Tf. XIV; AK Kassel 1989, S. 192, Nr. 28.



Letzte Aktualisierung: 04.05.2017


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