Wilhelm VIII. Landgraf von Hessen-Kassel (nach dem Porträt von 1752/53)



Wilhelm VIII. Landgraf von Hessen-Kassel (nach dem Porträt von 1752/53)


Inventar Nr.: AZ 184
Bezeichnung: Wilhelm VIII. Landgraf von Hessen-Kassel (nach dem Porträt von 1752/53)
Künstler: Johann Heinrich d. Ä. Tischbein (1722 - 1789), Schule
Datierung: 1755 - 1760
Geogr. Bezug:
Material / Technik: Leinwand
Maße: 96,3 x 69,7 cm (Bildmaß)
Provenienz:

erworben 1883 aus dem Nachlass der Gräfin Bose, Kassel

Beschriftungen: Beschriftung: verso Klebezettel des Bose-Museums, Inv. Nr. 47: Unbekannt, Wilhelm VIII.


Katalogtext:
Die Bildnisse von Wilhelm VIII. Landgraf von Hessen-Kassel

Als Hofmaler war eine Hauptaufgabe von Tischbein d. Ä., seine Dienstherren zu porträtieren und nach den Maßstäben der höfisch-feudalen Repräsentation wirkungsvoll in Szene zu setzen. Der große Bedarf an Herrscherporträts erforderte einen rationalisierten Werkstattbetrieb, bei dem Güte und Format der Kopie sich nach dem jeweiligen Zweck oder Rang des Adressaten richteten.
Von Wilhelm VIII. (1682-1760) lassen sich über 20 Bildnisse nachweisen, davon gilt etwa die Hälfte als eigenhändige Arbeiten Tischbeins. Die stets nur leicht variierten Gemälde, die den Landgrafen als Halb- oder Dreiviertelfigur wiedergeben, folgen dem spätbarocken Repräsentationsschema nach französischem Vorbild. Die Werkstattarbeiten greifen drei Bildnistypen auf, die Tischbein von Wilhelm VIII. geschaffen hat. Das am häufigsten kopierte Staatsporträt ist das Halbfigurenbildnis, das Tischbein 1752/53 von seinem späteren Dienstherrn malte und das der Grund für seine Ernennung zum Hofmaler gewesen sein soll (Eichenzell, Hessische Hausstiftung, Museum Schloss Fasanerie, Inv. Nr. FAS B 74). Es zeigt Wilhelm VIII. in raumgreifender, kraftvoller Pose zur Seite gewandt und den stolzen, energischen Blick mit den plastisch modellierten Gesichtszügen im Dreiviertelprofil auf den Betrachter gerichtet. Er trägt einen blauen Samtrock und glänzenden Brustpanzer, über der Schulter liegt das blaue Ordensband mit dem Stern des polnischen Weißen Adlerordens (AZ 184, AZ 413, 1875/750). Die üppig wallende Allongeperücke, die ebenso wie der rote Hermelinmantel und der Kommandostab in der rechten Hand zu den geläufigen Herrscherattributen gehört, betont das spätbarocke Pathos. Zu dieser Inszenierung passen die leichte Untersicht der Figur und der bewegte Wolkenhimmel, der in manchen Gemälden durch andere Hoheitsformeln wie Säule oder Vorhangdraperie ersetzt ist.
Ein ebenfalls häufig wiederholtes Porträt ist ein Bildnis von 1755 (Privatbesitz), das den über siebzigjährigen Landgrafen in derselben Pose, aber als Dreiviertelfigur in Rüstung zeigt (Lfd. Nr. 534). Wilhelm VIII. steht hier vor einer Brüstung, in der Rechten hält er den Kommandostab, die Linke umfasst den Säbel. Im Hintergrund am rechten Bildrand sind Truppen im Feuer zu sehen, am linken Bildrand steht der Helm.
In der dritten Gemäldevariante erscheint Wilhelm VIII. als Halbfigur in einem eleganten, dunkelvioletten Samtrock mit Goldtressen. Da das Licht die Gesichtszüge akzentuiert, wirkt das Bildnis weniger distanziert als die beiden anderen Porträttypen (1875/750).


Literatur:
  • Ackermann: Führer durch die Gemälde- etc. Sammlung des Städtischen Bose-Museums zu Kassel. 1. Aufl. Kassel 1896, Kat.Nr. 14-16, S. 7.
  • Ackermann: Führer durch die Gemälde- etc. Sammlung des Städtischen Bose-Museums zu Kassel. 2. Aufl. Kassel 1899, Kat.Nr. 14-16, S. 7.
  • Marianne Heinz [Bearb.]; Erich Herzog [Bearb.+ Hrsg.]: Johann Heinrich Tischbein d. Ä. (1722 - 1789), Kassel trifft sich - Kassel erinnert sich in der Stadtsparkasse Kassel. Kassel 1989, Kat.Nr. 7, S. 43, 156.
  • Flohr, Anna-Charlotte: Johann Heinrich Tischbein d.Ä. (1722-1789) als Porträtmaler mit einem kritischen Werkverzeichnis. München 1997, S. 50, 66-68, 172-175.
  • Heraeus, Stefanie [Bearb.]; Eissenhauer, Michael [Hrsg.]: Spätbarock und Klassizismus. Bestandskatalog der Gemälde in den Staatlichen Museen Kassel. Kassel [u.a.] 2003, Kat.Nr. 270, S. 312.


Letzte Aktualisierung: 07.12.2017


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