Philippine Amalie Landgräfin von Hessen-Kassel



Philippine Amalie Landgräfin von Hessen-Kassel


Inventar Nr.: 1875/1355
Bezeichnung: Philippine Amalie Landgräfin von Hessen-Kassel
Künstler: Johann Heinrich d. Ä. Tischbein (1722 - 1789), Schule
Datierung: nach 1797
Geogr. Bezug:
Material / Technik: Leinwand, doubliert
Maße: 149,5 x 111,5 cm (Bildmaß)
Provenienz:

erworben 1954 von Hertha und Hilde Riedesel zu Eisenach, Kassel

Beschriftungen: Beschriftung: verso altes Klebeschild: Kobold


Katalogtext:
Philippine Amalie Landgräfin von Hessen-Kassel (1745-1800), geb. Prinzessin von Brandenburg-Schwedt, ist vor dunklem Grund als Dreiviertelfigur nach rechts präsentiert. Sie sitzt an einem Tisch, auf dem ein offener Vogelkäfig steht, und hält auf dem ausgestreckten Zeigefinger der rechten Hand einen Singvogel. Ihre mit Pelzbesatz und braunen Schleifen verzierte Seidenrobe in leuchtendem Rot bildet einen Komplementärkontrast zur grünen Tischdecke und zum grünen Bezug des Stuhls. Das hochfrisierte, grau gepuderte Haar ist mit einem Turban aus weißer Spitze und einem roten Band aufgeputzt.
Philippine Amalie war die Tochter des Markgrafen Friedrich Wilhelm zu Brandenburg-Schwedt und der Sophie von Preußen, einer Schwester Friedrichs des Großen. Seit Januar 1773 war sie mit Landgraf Friedrich II. verheiratet, die Ehe blieb kinderlos. Nach dem Tod des Gatten im Oktober 1785 lebte sie in ihrem Witwensitz in Hanau und in ihrer Heimatstadt Berlin. Entgegen früheren Angaben stammt das Gemälde nicht von Tischbein d. Ä., sondern von einem seiner Schüler. Die Landgräfin trägt hier den kaiserlichrussischen Katharinenorden, das rote Schulterband mit dem silbernen Streifen und den Bruststern der ersten Klasse, den sie erst am 16. April 1797 erhielt – lange nach Tischbeins Tod, der bereits im August 1789 gestorben war. Trotz des schlechten Erhaltungszustands des Gemäldes, der eine stilistische Zuschreibung an einen bestimmten Schüler Tischbeins unmöglich macht, ist deutlich zu erkennen, dass Schulterband und Ordensstern nicht nachträglich hinzugefügt wurden.
In der Anlage folgt das Bildnis Tischbeins ganzfigurigem Porträt der Landgräfin von 1783, auf dem Philippine deutlich jünger wirkt und auf dem bereits das Motiv des geöffneten Vogelkäfigs mit dem Singvogel auftaucht (Eichenzell, Hessische Hausstiftung, Museum Schloss Fasanerie, Inv. Nr. FAS B 534). Singvogel und Vogelkäfig symbolisieren dort »die süße Sklaverei der (ehelichen) Liebe« (Bock 1987, S. 335). Diese sinnbildhafte Bedeutung, die aus der niederländischen Emblemliteratur sowie der Genre- und Porträtmalerei des 17. Jahrhunderts kommt, hat der Vogelkäfig sowohl in Tischbeins Selbstbildnis mit seiner ersten Frau am Clavichord (Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie, GK 1697), als auch im Familienbildnis mit seinen beiden Töchtern von 1774 (Hannover, Niedersächsisches Landesmuseum, Inv. Nr. PAM 976).


Literatur:
  • Engelschall, Josef Friedrich: Johann Heinrich Tischbein d. Ä., ehemaliger Fürstlich-Hessischer Rath und Hofmaler, als Mensch und Künstler dargestellt, nebst einer Vorlesung von Casparson. Nürnberg 1797, Kat.Nr. 49, S. 125.
  • Knetsch, Carl: Das Haus Brabant.Genealogie der Herzöge von Brabant und der Landgrafen von Hessen. Darmstadt 1928, Kat.Nr. XXVII 20, S. 143.
  • Both, Wolf von; Vogel, Hans: Landgraf Friedrich II. von Hessen-Kassel. Ein Fürst der Zopfzeit. o.O. 1973, S. 115-119.
  • Bock, Henning: "Der Künstler mit seiner ersten Frau Spinett" ein Selbstbildnis Johann Heinrich Tischbeins d. Ä. In: Festschrift für Heinrich Lützeler (1987), S. 333-337, S. 335.
  • Marianne Heinz [Bearb.]; Erich Herzog [Bearb.+ Hrsg.]: Johann Heinrich Tischbein d. Ä. (1722 - 1789), Kassel trifft sich - Kassel erinnert sich in der Stadtsparkasse Kassel. Kassel 1989, Kat.Nr. A 7, S. 191.
  • Flohr, Anna-Charlotte: Johann Heinrich Tischbein d.Ä. (1722-1789) als Porträtmaler mit einem kritischen Werkverzeichnis. München 1997, Kat.Nr. G 50, S. 190.
  • Heraeus, Stefanie [Bearb.]; Eissenhauer, Michael [Hrsg.]: Spätbarock und Klassizismus. Bestandskatalog der Gemälde in den Staatlichen Museen Kassel. Kassel [u.a.] 2003, Kat.Nr. 285, S. 316-317.


Letzte Aktualisierung: 09.11.2017


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