Brustbild eines Mannes in orientalischem Kostüm



Brustbild eines Mannes in orientalischem Kostüm


Inventar Nr.: GK 1213
Bezeichnung: Brustbild eines Mannes in orientalischem Kostüm
Künstler: Johann Georg Trautmann (1713 - 1769)
Datierung: um 1759/1762
Geogr. Bezug: Frankfurt
Material / Technik: Eichenholz
Maße: 25,2 x 21,2 cm (Bildmaß)
Provenienz:

erworben 1980 von Helga Pfennig, Kassel/Überlingen

Beschriftungen: Signatur: bez. Mitte l.: TM. (ligiert)


Katalogtext:
In brauntonig-goldenem Kolorit erscheint vor neutralem grünlichbraunem Grund ein alter bärtiger Mann im Brustbild. Den Oberkörper zur Seite nach rechts gewandt, blickt er frontal zum Betrachter. Das von links oben einfallende Schlaglicht hebt die gealterten Gesichtszüge hervor und setzt das helle Inkarnat und den rötlich-weißen Vollbart von der dunklen Umgebung ab. Auf dem Kopf trägt der Greis einen golddurchwirkten Turban, der mit Schmuckbändern und einer schwarzen Feder aufgeputzt ist. Der Oberkörper mit dem dunklen Gewand bleibt unbestimmt, lediglich der Ausschnitt ist knapp skizziert.
Das von Falten durchfurchte Gesicht hat Trautmann – vor allem im Bereich der Augen – durch kurze, unregelmäßig gesetzte Pinselstriche umschrieben, die gut sichtbar die Unebenheiten der Haut betonen und zu den übrigen glatten Partien des Gemäldes kontrastieren. Lediglich bei einzelnen Verzierungen des Turbans ist die Farbe noch pastos aufgetragen. Typisch für Trautmann sind auch die mit dem Pinselstil eingekratzten Linien, die zwischen den fein gemalten Barthaaren auftauchen.
Greisenköpfe »in Rembrandts Manier« (Hüsgen 1780, S. 171) hat Trautmann in zahlreichen Varianten als Ölbilder, Zeichnungen und Radierungen ausgeführt und dabei ein stets wiederkehrendes Repertoire an Posen, Kostümen und Ausdruck verwendet. Ein »Bärtiger Alter«, der dem Kasseler Gemälde recht ähnlich ist, wenn auch im Format kleiner, befand sich im Prehn'schen Gemäldekabinett (Frankfurt/Main, Historisches Museum, Inv. Nr. Pr. 604/M 682). Die Frankfurter Auktionskataloge der 1760er und 1770er Jahren belegen die große Nachfrage nach Trautmanns Greisenköpfen.
Vorbilder für diesen Bildtypus waren die von Rembrandt und dessen Umkreis geschaffenen »Tronien«, einfigurige Bilder, aber keine Porträts, sondern fiktive Figuren, von denen mehrere in den Frankfurter Privatsammlungen vertreten waren. Ob Trautmann Zugang zur Sammlung des Frankfurter Bürgermeisters und Kaiserlichen Rats Johann Friedrich von Uffenbach (1727-1769) hatte? Uffenbach besaß über 100 Radierungen von Rembrandt, darunter als besondere Rarität eine originale Druckplatte des so genannten »Ersten Orientalenkopfes«.
Trautmann hat weniger eine bestimmte Bildvorlage kopiert als vielmehr ›rembrandteske‹ Elemente aufgegriffen. Neben dem Motiv und der Lichtführung gehört dazu auch der die Stofflichkeit imitierende Farbauftrag, der für Rembrandts Malweise gealterter Hautpartien typisch ist.

Kölsch 1999, S. 333f., G 63 u. S. 91-94 u. S. 140; AK Frankfurt 2002, S. 96.


Literatur:
  • Weber, Gregor J. M. u.a.: Rembrandt-Bilder. Die historische Sammlung der Kasseler Gemäldegalerie. Ausstellungskatalog Staatliche Museen Kassel. München 2006, S. 53.


Letzte Aktualisierung: 30.01.2017


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