Bildnis Martin Luther



Bildnis Martin Luther


Inventar Nr.: GK 1024
Bezeichnung: Bildnis Martin Luther
Künstler: Lucas d. Ä. Cranach (1472 - 1553), Kopie nach
Datierung: 1565 - 1566
Geogr. Bezug:
Material / Technik: Eichenholz
Maße: 24,8 x 18,6 cm (Bildmaß)
Provenienz:

möglicherweise schon im 16. Jahrhundert erworben. 1781 Geschenk an den Direktor des Fräulein-Erziehungs-Instituts von Wittorf, 1817 zurückerworben.

Beschriftungen: Signatur: Rechts oben Inschrift: D : MARTIN, / LVTHER


Katalogtext:
Wahrscheinlich gehört Martin Luther zu den am meisten porträtierten Menschen der Frühen Neuzeit. So wie sein Name untrennbar mit der Reformation verbunden ist, so haben sich Bildnisse von ihm aus der Cranach-Werkstatt in unser visuelles Gedächtnis gebrannt. Wer an Reformation denkt, hat ein Bildnis Luther von Cranach im Kopf. Lucas Cranach d. Ä. und seine Werkstatt lieferten zunächst im Medium der Druckgraphik, später in Form von meist kleinformatigen Tafelgemälden eine Vielzahl von Porträts des Reformators. Innerhalb der kleinen Tafelgemälde etablierten sich zwei Bilderpaare: Martin Luther und seine Frau Katharina von Bora sowie Martin Luther und Philipp Melanchthon.

Der einstige Augustinermönch und Reformator Martin Luther heiratete am 13. Juni 1525 die frühere Nonne Katharina von Bora und zog damit die für ihn logische Konsequenz aus seiner Kritik am Zölibat des Mönchtums. Begleitet wurde dieser Schritt, der schnell Aufsehen erregte, durch publizistischen Einsatz sowie die Etablierung eines Bildnispaares der Eheleute (vgl. GK 1025). Die zahlreichen Versionen und Kopien weisen darauf hin, dass diese nicht nur privaten familiären Zwecken dienten, sondern den neuen Stand und die damit verbundenen Diskussionen belegen sollten.

Neben dem Bilderpaar mit Katharina von Bora wurde Luther seit 1532 häufig ein Bildnis von Philipp Melanchthon gegenübergestellt (GK 17 und 18) . Die kompositorische Gegenüberstellung der beiden zentralen theologischen Gestalten der Reformation sollte der Bewegung ein „Gesicht“ geben. Einerseits griff Cranach das Schema der Ehepaarbildnisse auf, andererseits wurden in der weiten Verbreitung Aspekte des höfisch-dynastischen Bildnisses bedient.

Die hohe Zahl der überlieferten Bildnisse Luthers zeigt einerseits die höchst effiziente Werkstattorganisation Lucas Cranachs, der mittels Schablonen und Vorlagen die Bildnisse von Werkstattmitarbeitern kopieren ließ, die Ausführung aber streng überwachte und selbst Hand anlegte.
Andererseits sind die zahlreichen überlieferten Bildnisse ein Beleg für den hohen Bedarf an solchen Werken, deren Besitz im Kontext der Reformation Bekenntnischarakter besaß. Wie weit diese Bildnisse Verbreitung fanden, belegt die Notiz des Malers Lorenzo Lotto, der 1540 seinem Neffen in Venedig zwei kleine Porträts von Luther und seiner Ehefrau schenkte (Schilling 2013, S. 531).

Das Kasseler Gemälde entstammt dem Umkreis der Cranach-Werkstatt und entstand um 1565. Es folgt im Falle Luthers weitgehend einer Vorlage aus dem Jahr 1546 (Klassik Stiftung Weimar, Inv....). Das ihm zugeordnete Bildnis der Katharina von Bora geht dagegen auf den Typus des ersten Hochzeitsbildnisses 1526 zurück (Wartburg-Stiftung Eisenach, In...). Gerade in der Nachfolge Cranachs wurden die verschiedenen Bildnisse zum Teil frei miteinander kombiniert.

Vielleicht ist das Lutherbildnis identisch mit einem 1573 im Kasseler Residenzschloss erwähnten Gemälde „Doctor Martinus Luther“, das neben verschiedenen Porträts sächsischer Fürsten und ihren Gattinnen erwähnt wird. Die Aufnahme in den Kreis der Fürstenbildnisse unterstreicht einerseits die Verbundenheit des Landgrafenhauses mit dem Reformator, andererseits ist sie ein Hinweis auf die hohe Wertschätzung, die Luther posthum zuteilwurde.
(J. Lange, 2016)


Literatur:
  • Robert, Ernst Friedrich Ferdinand: Versuch eines Verzeichnisses der Kurfürstlich Hessischen Gemählde-Sammlung. Cassel 1819, Kat.Nr. 57, S. 11.
  • Aubel, L.; Eisenmann, Oscar: Verzeichniß der in der Neuen Gemälde-Galerie zu Cassel befindlichen Bilder. 2. Aufl. Kassel 1878, Kat.Nr. 78, S. 9.
  • Schnackenburg, Bernhard: Gemäldegalerie Alte Meister Gesamtkatalog. Staatliche Museen Kassel. 2 Bde. Mainz 1996, S. 97-98.
  • Schneckenburger-Broschek, Anja: Altdeutsche Malerei. Die Tafelbilder und Altäre des 14. bis 16. Jahrhunderts in der Gemäldegalerie Alte Meister und im Hessischen Landesmuseum Kassel. Kassel, Staatliche Kunstsammlungen Kassel 1997, S. 99-102.
  • Schmidberger, Ekkehard; Richter, Thomas; Eissenhauer, Michael [Hrsg.]: SchatzKunst 800-1800. Kunsthandwerk und Plastik der Staatlichen Museen Kassel im Hessischen Landesmuseum. Wolfratshausen 2001.
  • Schuchardt, Günter (Hrsg.): Cranach, Luther und die Bildnisse, Ausstellungskatalog Wartburg. Regensburg 2015, Kat.Nr. 49, S. 120.
  • Scherner, Antje [Bearb.]; Cossalter-Dallmann Stefanie [Bearb.]: Aus der Schatzkammer der Geschichte. Vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert. Petersberg 2016, Kat.Nr. 8, S. 34.
  • Ranft, Andreas: Luther und die Fürsten. In: Auge, Oliver (Hrsg.): König, Reich und Fürsten im Mittelalter 12 (2017), S. 483-512, S. 486.

Siehe auch:


  1. GK 1025: Bildnis Katharina von Bora (Gegenstück zu GK 1024)


Letzte Aktualisierung: 26.02.2018


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