Ein Felstor



Ein Felstor


Inventar Nr.: GK 660 (1875/672)
Bezeichnung: Ein Felstor
Künstler: Christian Wilhelm Ernst Dietrich (1712 - 1774)
Datierung: 1750er Jahre
Geogr. Bezug:
Material / Technik: Öl
Maße: 36 x 28 cm (Bildmaß)
Provenienz:

erworben 1819 von Herrn Steuerrat Rhode aus Kassel, dem Vormund der Major Gessotschen Kinder

1863 Schloss Bellevue

Beschriftungen: Beschriftung: u.l.: rote Nr.: 1718


Katalogtext:
Durch ein aus Felsenstücken und Baumstämmen geformtes Tor blickt man auf eine weitläufige Landschaft mit Laubbäumen, Felsgestein und eine Stadt, deren Silhouette im Dunst schemenhaft zu erahnen ist. Belebt wird die Landschaft durch mehrere Wanderer und durch zwei Staffagefiguren, die im Vordergrund auf einem Gesteinsbrocken sitzen und von denen eine Person angelt. Der morsche, abgestorbene Baum am rechten Bildrand, der sich vor dem hellen Felsgestein abzeichnet, ist ein von Dietrich häufig verwendetes Repoussoirmotiv. Der minutiös ausgeführte Baumschlag und niedere Baumwuchs sind ebenfalls kennzeichnend für seinen Malstil.
Im 1816 begonnenen Inventar ist das Gemälde als »Johann Boths Geschmack oder von demselben oder vielleicht Dietrich« verzeichnet. Seit Roberts 1830 publiziertem Katalog hat sich die Zuschreibung an Dietrich durchgesetzt. Das bizarre Felsmotiv geht auf Salvator Rosa (1615-1673) zurück, vergleichbar ist etwa dessen »Grotte mit Wasserfall« (Florenz, Palazzo Pitti). In den 1750er Jahren malte Dietrich in Anlehnung an die italienische Malerei des 17. und 18. Jahrhunderts zahlreiche Landschaften mit Felsformationen, Gebirgsbächen und Baumgruppen, die seine Zeitgenossen besonders schätzten. Johann Georg Meusel erklärte Dietrich »zum größten Landschaftsmaler seiner Zeiten« und stellte dessen Überlegenheit gegenüber den Alten Meistern heraus, deren Vorzüge er zu vereinigen wisse, »ohne sich ihrer Fehler schuldig zu machen« (Meusel, Miscellaneen, 1780, S. 48). Der Kunstgelehrte Christian Ludwig Hagedorn hatte bereits zuvor in seinen »Betrachtungen über die Malerei« bemerkt: »Seine begrünten Felsen, die Schichten und Lagen mannigfaltiger Erde, mit ihren Klüften, bestimmen den unterscheidenden Charakter dieses Meisters. Hier eifert er der Natur selbst nach, und bedarf mit keinem Salvator Rosa zu kämpfen. Denn seine Felsen sind reizender, als Salvators, und seine Wasserfälle und vorderen Gründe erheben sich mit vereinigten Schönheiten der Natur wodurch jene großen Meister angefeuert wurden« (Hagedorn 1762, S. 394). Gerade Dietrichs Landschaften mit den schroffen und einsamen Felsgegenden in Rosas Manier wurden als diejenigen empfunden, die nicht nur naturnah waren, sondern auch die Kategorien des Erhabenen im Sinne von Edmund Burkes Kunsttheorie erfüllten.
Zu dem Gemälde gab es ein – dem Inventar zufolge – gleichartiges Gegenstück, ebenfalls mit einem »Felstor«, aber etwas reicherer Staffage, das im Zweiten Weltkrieg verloren ging (1875/673).

Kat. Kassel 1830, S. 139, Nr. 839; Kat. Kassel 1845, S. 80, Nr. 839; Parthey 1863-64, Bd. 1, S. 336, Nr. 203; Kat. Kassel 1877, S. 71, Nr. 839; Kat. Kassel 1888, S. 369, Nr. 625; Kat. Kassel 1929, S. 21, Nr. 660; Kat. Kassel 1958, S. 49f., Nr. 660; Kat. Kassel 1996, S. 103, GK 660 u. Tf. 283.


Literatur:
  • Robert, Ernst Friedrich Ferdinand: Verzeichniß der Kurfürstlichen Gemählde-Sammlung. Cassel 1830, Kat.Nr. 839, S. 139.
  • Eisenmann, Oscar: Katalog der Königlichen Gemälde-Galerie zu Cassel. Nachtrag von C. A. von Drach. Kassel 1888, Kat.Nr. 625, S. 369.
  • Luthmer, Kurt: Staatliche Gemäldegalerie zu Kassel. Kurzes Verzeichnis der Gemälde. 34. Aufl. Kassel 1934, Kat.Nr. 660, S. 50.
  • Vogel, Hans: Katalog der Staatlichen Gemäldegalerie zu Kassel. Kassel 1958, Kat.Nr. 660, S. 50.
  • Schnackenburg, Bernhard: Gemäldegalerie Alte Meister Gesamtkatalog. Staatliche Museen Kassel. 2 Bde. Mainz 1996, S. 103.


Letzte Aktualisierung: 11.11.2016


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