Christus und die Ehebrecherin



Christus und die Ehebrecherin


Inventar Nr.: GK 1064
Bezeichnung: Christus und die Ehebrecherin
Künstler: Gerbrand van den Eeckhout (1621 - 1674), Maler/in
Datierung: 1653
Geogr. Bezug:
Material / Technik: Leinwand
Maße: 61 x 79,5 cm (Bildmaß)
Provenienz:

erworben 1989 von Gal. G. Cramer, Den Haag, mit Unterstützung der Hessischen Kulturstiftung


Katalogtext:
Der Amsterdamer Maler Gerbrand van den Eeckhout blieb zeitlebens dem Stil seines Lehrers Rembrandt treu. Dies zeigt sich besonders in seinen Historienbildern wie dem Kasseler Gemälde „Christus und die Ehebrecherin“, das zu den Hauptwerken des Künstlers zu zählen ist. Das Thema war im Rembrandtkreis sehr verbreitet, so dass sich Eeckhout in seinem direkten Umfeld auf eine reiche Bildtradition stützen konnte. Ein besonders wichtiges Vorbild ist das Gemälde gleichen Themas von Rembrandt aus dem Jahr 1644 in der Londoner National Gallery, aus dem die Figur der Ehebrecherin ohne Veränderung, allerdings seitenverkehrt, übernommen wurde. Eeckhout konzentriert sich allerdings stärker auf die Figurengruppe und reduziert den umgebenden Raum gegenüber seinem Lehrmeister in deutlicher Weise.
In der im Johannesevangelium (Joh. 8, 3-11) geschilderten Szene wird eine beim Ehebruch ertappte Frau von Schriftgelehrten und Pharisäern vor Jesus geführt, um sie zu richten. Nach dem Gesetz soll sie gesteinigt werden, doch Jesus spricht die Worte: „Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein“. Daraufhin entfernen sich die Männer beschämt und geben die Sünderin frei.
Eeckhout stellt den Moment der Antwort Christi dar, der mit ausgreifender Geste auf die vor ihm kniende Frau zeigt. Die das Geschehen verfolgenden Pharisäer umgeben diese zentrale Figurengruppe, die kompositorisch eine aufsteigende Diagonale bildet.
Die besonderen Qualitäten des Gemäldes liegen in der koloristischen Behandlung der Figuren und der reizvollen Lichtführung. Während Jesus sich durch die kräftigen Rot- und Blautöne seines Gewandes hervorhebt, wird die Ehebrecherin, in Gelb, Weiß und Blau gekleidet, durch das Licht exponiert und markiert mit ihrer Gestalt den hellsten Bereich der Szene, der in deutlichem Kontrast zu der unmittelbaren, stark verschatteten Umgebung steht. Sowohl die Farbigkeit der Kleider als auch die Beleuchtungssituation verleihen ihrer Figur einen singulären Status innerhalb der Komposition.
Von ihrer Gestalt ausgehend strahlt das Licht in feinen und Tonabstufungen in den Bildraum aus und wird von Glanzpunkten wie dem schimmernden Goldbrokat des Priestergewands links oder einzelnen Schmuckdetails reflektiert. Der Tempelraum bildet dem gegenüber einen nur wenig differenzierten brauntonalen Hintergrund, der kaum von der erzählerischen Darstellung im vorderen Bildbereich ablenkt.
Versucht man die Lichtgestaltung der Darstellung nachzuvollziehen, stellt sich heraus, dass diese nur vordergründig physikalischen Gesetzmäßigkeiten folgt. Keine der Lichtquellen ist in der Darstellung sichtbar. Das Hauptlicht, welches schlaglichtartig die Ehebrecherin beleuchtet, fällt von schräg vorne in einem Winkel von 45 Grad ein und breitet sich gleichmäßig und bei abnehmender Intensität in der Umgebung aus. Beleuchtete Binnenbereiche lassen sich allerdings nicht schlüssig auf diese Quelle beziehen und verweisen auf ein Eigenleben des Lichts. So erscheint etwa zwischen den beiden Priestern, die direkt hinter der Ehebrecherin positioniert sind, ein Beobachter durch das Licht hervorgehoben, dessen Beleuchtungsquelle unklar bleibt. Hier kreiert der Künstler ein bildinternes Lichtgefüge, welches keinen realistischen Anspruch erhebt, sondern dessen materielle Präsenz eine dienende Funktion gegenüber der kompositorischen Darstellung einnimmt.
(T. Trümper, 2011)


Literatur:
  • Schnackenburg, Bernhard: Gemäldegalerie Alte Meister Gesamtkatalog. Staatliche Museen Kassel. 2 Bde. Mainz 1996, S. 114.
  • Weber, Gregor J. M. u.a.: Rembrandt-Bilder. Die historische Sammlung der Kasseler Gemäldegalerie. Ausstellungskatalog Staatliche Museen Kassel. München 2006, Kat.Nr. B 52, S. 267.
  • Lange, Justus u.a.: Lichtgefüge. Das Licht im Zeitalter von Rembrandt und Vermeer. Petersberg 2011, Kat.Nr. 4, S. 34.


Letzte Aktualisierung: 22.10.2018


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