Inneres einer hohen Felsengrotte



Inneres einer hohen Felsengrotte


Inventar Nr.: GK 224
Bezeichnung: Inneres einer hohen Felsengrotte
Künstler: Evert Marseus van Schrieck (um 1614 (1617?) - nach 1681), Maler/in
Datierung: 1630er Jahre
Geogr. Bezug:
Material / Technik: Öl
Maße: 41 x 30,5 cm (Bildmaß)
56,5 x 46,5 x 8,2 cm Stand: 2017 (Rahmenmaß)
Provenienz:

erworben 1885 auf der Auktion von Friesen in Köln


Katalogtext:
Der Blick führt in einen gewaltigen Höhlenraum, der die hochformatige Bildtafel mit halbrundem oberem Abschluss vollständig einnimmt. Der Vordergrund, die Felswand der linken Seite und das hohe Gewölbe sind stark verschattet und bilden einen Rahmen für den Blick in die Tiefe, dem auch zwei Wanderer folgen, die sich am vorderen Bildrand niedergelassen haben. Beleuchtet wird das Grottengewölbe durch eine hohe Öffnung auf der linken Seite, die einen Ausblick auf eine bergige und bewaldete Landschaft freigibt. Nach rechts wird die Darstellung durch ein fantasievolles, organisch gestaltetes Monument begrenzt, das den Eingang zu einer weiteren Grotte bildet. Das Höhlensystem erstreckt sich im Hintergrund weit in die Tiefe des Berges, wo es nur noch durch indirekt einfallendes Tageslicht sowie einzelne Fackeln spärlich beleuchtet wird.

Weite Teile der Darstellung verbleiben in tiefer Dunkelheit, die in reduziertem braun-tonalem Kolorit angelegt ist, das die geheimnisvolle Atmosphäre der Unterwelt betont. In der Gegenüberstellung von sonnendurchfluteter Landschaft und schummrig-düsterer Höhle, von freundlicher Außenwelt und wildem Berginnern entsteht eine spannungsreiche Komposition, die maßgeblich durch das Licht konstituiert wird. Der Künstler setzt hierfür starke Kontraste ein, die unmittelbar aufeinandertreffen: So grenzen der Himmel und der schlaglichtartig beleuchtete Eingangsbereich direkt an die dunkelsten Zonen der Höhlenwände. Staffagefiguren, die jeweils an den Lichtgrenzen positioniert sind, vermitteln zwischen den einzelnen Bereichen und liefern außerdem einen Größenmaßstab für die Monumentalität der Natur.
Grottenmotive, die das Interesse an exotischen Naturdarstellungen bedienten, finden sich bereits in der flämischen Landschaftsmalerei des frühen 17. Jahrhunderts und wurden ab den 1640er Jahren zunehmend beliebt. Der nur wenig bekannte niederländische Maler Evert Marseus van Schrieck, von dem das vorliegende Gemälde stammt, war neben der Landschaftsmalerei auf ebendieses Genre spezialisiert.
Neben dem fremdartigen Charakter des Naturraums legen einzelne Motiveseines Bildes wie die Fantasiearchitektur sowie Tafeln und ein Spiegel am Eingang eine besondere Bedeutung des Ortes nahe. Assoziationen mit einer Art von Kultstätte werden geweckt, die den geheimnisvollen Charakter des Schauplatzes noch steigern.
(T. Trümper, 2011)


Literatur:
  • Eisenmann, Oscar: Katalog der Königlichen Gemälde-Galerie zu Cassel. Nachtrag von C. A. von Drach. Kassel 1888, Kat.Nr. 203, S. 133-134.
  • Gronau, Georg: Katalog der Könglichen Gemäldegalerie zu Cassel. Berlin 1913, Kat.Nr. 224, S. 39.
  • Gronau, Georg; Luthmer, Kurt: Katalog der Staatlichen Gemäldegalerie zu Kassel. 2. Aufl. Berlin 1929, Kat.Nr. 224, S. 46.
  • Luthmer, Kurt: Staatliche Gemäldegalerie zu Kassel. Kurzes Verzeichnis der Gemälde. 34. Aufl. Kassel 1934, Kat.Nr. 224, S. 21.
  • Voigt, Franz: Die Gemäldegalerie Kassel. Führer durch die Kasseler Galerie. Kassel 1938, Kat.Nr. 224, S. 32.
  • Vogel, Hans: Katalog der Staatlichen Gemäldegalerie zu Kassel. Kassel 1958, Kat.Nr. 224, S. 91.
  • Schnackenburg, Bernhard: Gemäldegalerie Alte Meister Gesamtkatalog. Staatliche Museen Kassel. 2 Bde. Mainz 1996, S. 179.
  • Lange, Justus u.a.: Lichtgefüge. Das Licht im Zeitalter von Rembrandt und Vermeer. Petersberg 2011, Kat.Nr. 17, S. 66.
  • Seelig, Gero: Die Menagerie der Medusa. Otto Marseus van Schrieck und die Gelehrten, Kat. Staatliches Museum Schwerin, Rijksmuseum Twenthe Enschede. München 2017, S. 53.


Letzte Aktualisierung: 02.11.2018


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